Gedanken, Natur und Leben
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Zeitlos Überdauert – Leben mit prähistorischem Geist – TEIL II

Man kann mit Recht sagen, dass die Gesellschaft gut eingerichtet ist. Von – und für Menschen, deren Denkstrukturen und Verhalten bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen. Damit sind nicht nur erlernte, anerzogene Normen und Regeln gemeint, sondern viel entscheidender noch die angeborene Art der Verschaltung im Hirn und damit die Funktionsweise der Verarbeitung, Speicherung und Ausgabe von Informationen. Ist diese strukturelle Gemeinsamkeit bei einem Menschen nicht gegeben, wird er sich in großen Teilen des täglichen Lebens einer feindlichen Umgebung konfrontiert sehen und nicht selten an der Konformität und Richtigkeit seiner eigenen Persönlichkeit zweifeln. Die Muster und Regeln unserer modernen Zivilisation sind an Bedürfnisse und Eigenschaften einer Mehrheit angepasst und werden von dieser aufrechterhalten, weitergegeben und verteidigt.

Sie werden immer wieder geboren; jene, deren Geist die Zeiten überdauert. Ihr Inneres entstammt einer Vergangenheit welche nicht mehr überliefert ist. In Jahren betrachtet eine unvorstellbare Anreihung von Menschenleben; noch vor dem Zeitalter, was wir heute Antike nennen. Der Gedanke von „Zeit“ ist aber ein Verhängnisvoller; er sägt an unseren Wurzeln. Das Verständnis von Zeit bedeutet Veränderung – den großen Kreislauf, das rhythmische Atmen erkennt das Individuum jedoch nicht. Sein einzelnes Leben ist von zu kurzer Dauer; sein Verstand zu begrenzt. Zeit im linearen Sinne ist nicht mehr als ein primitives Konstrukt eines geschmälerten, geistigen Horizontes; der bestenfalls seine momentane Existenz überblicken kann. Dies ist eine unangenehme Erscheinung des modernen Menschen und die logische Konsequenz einer Degenerierung; nicht aber deren Ursache.

Diese Degenerierung ist eine Streuung; ein Puzzle, eine genetische Lotterie. Viele unterschiedliche Bauteile ergeben kein stimmiges Ganzes mehr; es kristallisieren sich prägnante einzelne Talente und Schwächen heraus – eine Persönlichkeit entsteht. Dabei ist jede Eigenschaft Bruchstück eines Ganzen, welches nur noch in Teilen auf Individuen verteilt existiert. Die Unvollkommenheit des Einzelnen behindert dabei die sinnvolle Zusammenfügung von Fähigkeiten. Die Vermischung verschiedener aber gleichzeitig lebender homo-Spezies hat in Vorzeiten den in Europa heimischen Neanderthaler als einstigen Ureinwohner verändert und genetisch beeinflusst. Der heutige Europäer ist weder reiner Neanderthaler, noch vollkommener homo sapiens; weist stattdessen Facetten beider (und teils anderer) Spezies in unterschiedlichen Graden der Ausprägung auf. Dieses Verhängnis färbt die Welt bis heute und beschleunigt sich sogar mitsamt seinen Auswirkungen.

Im Süden Schwedens erzählte man uns; die Bewohner des Nordens seien derart schweigsam, dass sie bei Besuchen in Malmö mit ihrer Art sofort auffallen und die Einheimischen sich besorgt nach der Befindlichkeit der Fremden erkundigen. Löcher in die Luft starrend säßen sie still in Gedanken versunken da und saugen in unregelmäßgen Abständen Luft durch die Zähne ein und verkünden in seufzendem Ton ein zustimmendes Wort. Als ich davon hörte, wünschte ich mir die stille Gesellschaft dieser Menschen und zog in Betracht, sie eines Tages zu besuchen. Die Erzählungen lösten in mir ein Schmunzeln aus; festigten aber auch meine Überzeugungen von einem grundlegenden Artenunterschied einiger Europäer, der nicht durch soziale Umfelder und ortsgebundene Umstände zu erklären ist – da, wenn auch deutlich weniger gehäuft, anderswo Persönlichkeiten zu finden sind, die diese Verhaltens- und Denkstrukturen aufweisen. Die Häufung im Norden ist aber mit Sicherheit kein Zufall: Die oben genannte Vermischung der vorzeitlichen homo-Spezies ging von Süden aus und setzte sich, erschwert durch klimatische Bedingungen zunächst nur sehr langsam in nördliche Richtung fort; d.h. die Gene des Neanderthalers blieben im heutigen Skandinavien noch am längsten erhalten; während Südeuropa viel früher Ort des Aufeinandertreffens von dem in Afrika heimischen homo sapiens und dem Europäer homo neanderthalensis war.

Die Welt hat sich seitdem dramatisch gewandelt und doch gibt es, allem Lineardenken und Wachstumsbestrebungen zum Trotz, eine kleine Zahl Persönlichkeiten, die gar nicht anders können als aus naivster Ehrlichkeit heraus einem Ruf zu folgen, der die Gegenwart des modernen Menschen schon lang nicht mehr erreicht. Die Vorstellung, einen Steinzeitmenschen per Zeitmaschine in unser Jahrhundert zu holen um zu sehen wie er reagieren und sich verhalten würde, scheint zunächst in die Science Fiction zu gehören. Tatsächlich geschieht meiner Ansicht nach zumindest etwas ähnliches: Gene fungieren als biologische Zeitmaschinen und können Eigenschaften in Menschen hervorbringen, die Jahrtausende zurückliegen. Technische Errungenschaften markieren keinesfalls Fortschritt und aufsteigende Entwicklung des Menschen; der mit ihnen ja auch nicht intelligenter oder anderweitig körperlich verbessert wurde; sondern bloß abhängig, träge und schwach – gemessen an der harmonischen, fließenden Integration eines Tierkörpers in seine natürliche Umgebung. Als ich flüchtende Rehe im Wald beobachtete, beeindruckte mich ihre Wendigkeit; wie geschickt die perfekt gebauten Muskeln, Gliedmaßen und Sinne im Zusammenspiel die Fortbewegung im Wald so effektiv machten, dass man diese Wesen nicht als gesonderte, eigene Instanzen in einer Umgebung betrachten kann, sondern nur als Teil – als ein Aspekt von Vielen in einem größeren Gesamtorganismus: dem Wald.

Bevor der Mensch zur Landwirtschaft überging und damit ein folgenreicher Wandel ausgelöst wurde, war Europa überwiegend mit Wäldern bedeckt. Jeder Acker, jede Wiese oder gerodete Fläche wird, wenn sie sich selbst überlassen wird, wieder vom Wald zurückerobert. Ganz allmählich wachsen zunächst Kräuter, dann Sträucher und schließlich wieder Bäume, die mit der Zeit zu stattlicher Größe gedeihen. Ein absolut perfektes Ökosystem entsteht. Das, was schon immer da war, verdrängt, was unnatürlich erzwungen wurde. Der Wald ist ein Kreislauf, in dem nichts verloren geht – ein lebendiges System aus Geburt, Tod und Wiedergeburt in welchem sich eine Art kosmische Ordnung widerspiegelt. Was hat den Menschen dazu veranlasst, diesen – seinen Lebensraum  zu verlassen? Er muss angepasst gewesen sein, wie die Rehe oder andere Tiere des Waldes; er war mit Sicherheit Teilaspekt des großen Wesens. Mit scharfen Sinnen, fest integriert im Fluss des florierenden Lebens; einer Art traumhaften Klarheit, gepaart mit gedankenlosem Verständnis und Weitblick in die natürliche Harmonie und Ordnung. Was war der Auslöser dieses Bewusstseinswandels, der den Menschen trennte, fallen ließ und Unbehagen auslöste?

Bereits in meiner frühen Jugend fragte ich mich unter Anderem, weshalb Naturvölker auf anderen Kontinenten bis heute keine auffallenden technischen Entwicklungen hervorgebracht haben. Sind sie nicht fähig oder besteht kein Bedarf danach? Wenn zumindest doch einmal „der Stein ins Rollen“ gebracht worden wäre, käme doch eine Erfindung zur Anderen und alsbald würde sich diese Zivilisation als hochentwickelt ansehen, wobei mit jeder nachfolgenden Entwicklung das erforderliche Maß an Kreativität, Genialität und schöpferischem Gedanken geringer wird. Sicherlich ist das Automobil an sich ein technisches Wunderwerk – das mit Abstand genialste und revolutionäre an ihm ist aber das Rad. Wozu wurde es erfunden oder in seinem Zwecke entdeckt? Zunächst vielleicht um Lasten zu bewegen, für die der menschliche Körper allein oder selbst in der Gruppe zu schwach war. Dasselbe gilt für das Werkzeug Kran oder den Hebel. Zusammen mit der Bändigung des Feuers finden sich diese Basiserfindungen bis heute in hochkomplizierten Maschinen. Die heute lebenden Naturvölker verfügen ebenfalls über oben genannte Basisentdeckungen – halten aber ein Maß im Umgang mit ihnen oder bauen schlichtweg nicht weiter an bereits bewährten Dingen auf.

In der Schule lernte ich damals, dass die auf der Erde lebenden Menschen in drei Grundarten eingeteilt werden können: negroid, mongolisch und europäisch. Bedeutende Erfindungen, die unsere moderne Welt bestimmen oder auch Entdeckungen der Antike kamen ausschließlich aus Asien und Europa – nicht aus Afrika. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Neanderthaler-Gene nur bei Europäern und Asiaten zu finden sind, nicht jedoch bei Afrikanern. Der Gedanke liegt nahe, dass erst die Vermischung des homo sapiens mit dem Neanderthaler, beziehungsweise dem damals zeitgleich in Asien lebenden Denisova-Mensch den entstanden Hybriden zu diesen Leistungen befähigte. Oder anders gedacht: Den Menschen derart veränderte, dass er ein dringendes Bedürfnis danach verspürte; aufgrund der nun unterschiedlichen genetischen Einflüsse in seinem Geiste verändert wurde und das Gleichgewicht verlor; stürzte und bis heute fällt.

Der Neanderthaler entstand vor etwa 200.000 Jahren in Europa; er war aber auch im Nahen Osten heimisch, wie Grabungen belegen. Homo sapiens sapiens trat erst vor 100.000 Jahren auf – in Afrika. Die Eiszeit drängte den Europäer nach Süden, wo allmählich Mischformen zwischen homo sapiens und neanderthalensis entstanden.  Die Hybridisierung führte zu einem kleinerem Schädel; der dem eines nicht ausgewachsenem Neanderthalerschädels (vielleicht ein Grund warum heute Vielen die Weisheitszähne Probleme bereiten) ähnelt – das Kindchenschema blieb bis ins Erwachsenenalter stärker erhalten und auch die Psyche reifte nicht mehr vollkommen aus. Diese Effekte von Kreuzungen sind bei Tierzüchtungen bekannt, werden jedoch auf den Menschen kaum angedacht. Mit dem Geist seiner Vorfahren war der Europäer bald in einem fremden Körper mit beschränkten Kapazitäten gefangen. Bis heute ist er auf der Suche zurück zur Harmonie mit sich und der Natur und ging dabei verworrene Umwege in Umnachtung auf irrigen Pfaden. Und jene Europäer, deren genetischer Anteil am Geist des Vorfahren besonders hoch ist; nenne ich die, die „zeitlos überdauerten“.

In prähistorischen Zeiten bestand die Gesellschaft meistens aus dem eigenen Stamm von begrenzter Anzahl Personen, welche nomadisch als Jäger und Sammler in den Wäldern lebten. Ein Blick ins Gesicht einer anderen Person muss wie ein Spiegel gewesen sein, da es keine Globalisierungsbestrebungen gab, die Einfärbungen anderer Spezies beschleunigt hätten. Jemanden in die Augen zu schauen hieß, ihn wortlos zu verstehen. Europa war nur sehr dünn besiedelt; sodass ein Aufeinandertreffen mehrerer Gruppen sicherlich etwas besonderes war und aufgrund der überwiegenden Vorteile einer solchen Begegnung von Artverwandten meiner Vorstellung nach eher ausgetauscht als gekämpft wurde – zumal das Risiko von Verletzungen oder Tod und die dadurch entstehenden Schwierigkeiten sicherlich vermieden werden sollten. Diese sozialen Faktoren im Zusammenspiel mit den klimatischen Bedingungen prägten vermutlich den Charakter dieser Menschen und war fester Bestandteil der gesamten Artenseele. Laut Forschungen soll der Neanderthaler einen ausgeprägten visuellen Sinn gehabt haben; sicherlich eine gute Voraussetzung für Fantasie und Kreativität – was der Fund einer knöchernen Flöte  aus einer Neanderthaler-Grabungsstätte bewiesen hat. Die Nahrung war unbelastet; Lärm und Stress muss eine außerordentliche Seltenheit gewesen sein; genauso wie Unverträglichkeiten und Allergien aufgrund der nicht nur naturnahen sondern natur-integrierten Lebensweise wohl kaum aufgetreten sind. Jagd mit Geschick und Kondition anstelle von Legebatterien; sammeln und pflücken was die Natur Vielfältiges anbot, statt Monokultur und Mähdrescher. Das Wichtigste dabei aber war, in Körper und Geist zu harmonieren und in einem universalem, intuitivem Verständnis von „Allem was ist“ zu leben – ohne darüber nachzudenken oder unterrichtet werden zu müssen! Ein klarer, gesunder Geist fühlt nur die Wahrheit; er trägt sie von Geburt an fest in sich.

 

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  1. „Im Süden Schwedens erzählte man uns; die Bewohner des Nordens seien derart schweigsam, dass sie bei Besuchen in Malmö mit ihrer Art sofort auffallen und die Einheimischen sich besorgt nach der Befindlichkeit der Fremden erkundigen. Löcher in die Luft starrend säßen sie still in Gedanken versunken da und saugen in unregelmäßgen Abständen Luft durch die Zähne ein und verkünden in seufzendem Ton ein zustimmendes Wort.“

    Genauso bin ich. Genau so, wie diese Nordskandinavier hier beschrieben sind, bin ich. Und ich kenne niemanden, der noch so ist außer meine Großmutter väterlicherseits. Ich werde immer wieder darauf angesprochen, warum ich denn so wenig und so leise rede. Ich weiß es nicht, ich bin einfach so, es ist normal für mich. Vielleicht ist das kein Zufall, ich bin blond und blauäugig und meine Eltern sind blauäugig und waren zumindest in ihrer Kindheit blond. Ich wohne nicht im Norden Deutschlands, das genaue Gegenteil ist der Fall, ich wohne ca. eine Stunde südlich von Wien, allerdings würde mir ein Leben im Norden Skandinaviens (klimatisch gesehen) viel besser gefallen. Schon seit meiner Kindheit gehe ich gerne bei Kälte nach draußen und ich werde immer wieder mit „Ist dir nicht kalt?“ oder ähnlichem angesprochen, wenn ich bei 5-10°C nur ein T-shirt anhabe. Wenn es im Sommer sehr heiß ist, gehe ich überhaupt nicht nach draußen, die macht mich träge und müde und bringt meinen Kopf zum Schmerzen. Ich freue mich jedes mal, wenn es zu regnen beginnt (am meisten bei Gewittern), wenn es schneit oder wenn der Wind zum Sturm anwächst. Niemand, den ich kenne, versteht das. Vielleicht habe ich auch noch viele der Gene, von welchen diese Nordskandinavier anscheinend auch noch viele haben.

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