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Wie ich fotografiere | Teil I

Das Sehen und die Kamera

 

Wenn ich durch den Sucher schaue, vergesse ich für einige Momente die Zeit und Welt um mich herum. Vielleicht ist diese kurze Freiheit eine meiner Hauptmotivationen zur Fotografie. Das erklärt freilich noch nicht, warum ich an die entstehenden Bilder einen gewissen Anspruch habe und mich zu einem nicht unerheblichen Teil auch der Bildbearbeitung widme.

Für einen gelernten Fotografen fotografiere ich eigentlich viel zu wenig; privat meine ich. Es gäbe sicher zahlreiche Anlässe, seien es Familienfeiern oder etwas anspruchsvollere Aufträge im familiären und freundschaftlichen Umfeld wie z.B. Hochzeiten oder Sportveranstaltungen. Es ist bereits ein halbes Jahr her, als ich zuletzt Menschen fotografierte; es waren befreundete Kletterer bei ihrer Lieblingstätigkeit am natürlichen Fels. Die Hochzeit meiner Schwester wollte ich dagegen bewusst nicht durch den Sucher meiner Kamera erleben und überließ diese Tätigkeit anderen Fotografen. Auch bin ich vielleicht einfach nicht der Typ für gute, kommunikative Menschen-Fotografie. Was ich aber eigentlich damit ausdrücken möchte ist, dass ich eben nicht aus Prinzip fotografiere, weil ich diesen Beruf gelernt habe. Es war auch nie mein Ziel, diesen Beruf im Sinne eines Berufes zu ergreifen; ich wollte lediglich lernen, wie man gute Fotos macht. Es war ein 3-jähriger Workshop im Eigeninteresse. Naja, jedenfalls habe ich mit dieser Sichtweise auch die schwierigeren Zeiten überstanden.

2003, gegen Ende der 10. Klasse kaufte ich mir eine digitale Kompaktkamera mit damals üblichen satten 2 Megapixel Auflösung. Den Verkäufer im Elektronikmarkt und auch meinen Vater, der mich begleitete (und die Kamera vielleicht auch bezahlte?), spannte ich mit meiner Unentschlossenheit bei der Wahl des Modells ziemlich auf die Folter. Es war eine schwerwiegende Entscheidung. Von da an fühlte ich mich, neben einem guten Freund, der ebenfalls eine ähnliche Kamera besaß, verantwortlich für die Dokumentation der Ereignisse meiner Klasse und des Familien- und Freundeskreises. Soweit ich mich erinnere, hatte keiner meiner Klassenkameraden eine digitale Kamera, ja nichteinmal ein Handy mit Fotofunktion (?) – das ist 12-13 Jahre her. Wie schnell sich das doch alles ändert. Mein Anspruch an die Aufnahmen war eher gering, ich beurteilte anfangs kaum nach ästhetischen Kriterien. Mit der Zeit gewannen diese jedoch an Bedeutung, denn ich begann allmählich nicht mehr nur in bloßer Abbildung zu denken und erkannte die Möglichkeit, dem Gesehenen durch gezielte Gestaltung einen anderen oder gar noch tieferen Ausdruck zu verleihen. Das war nun ein gefundenes Werkzeug um meiner angeborenen Zurückgezogenheit und all den inneren Kräften einen Kanal zu verleihen; sich mitzuteilen und auszudrücken.

Als selbstbezeichnend naturverbundenen Menschen springen mir Motive aus derselben oft regelrecht im Vorbeigehen ins Auge. Oft ist exakt dieser Standpunkt, an dem ich plötzlich stehenbleibe genau die richtige Perspektive und nur einen Schritt weiter verliert sich die Magie bereits wieder. Muss ich lange nach Motiven suchen, weiß ich, dass es mir in diesem Moment am nötigen Gefühl fehlt. Denn: nichts Sehenswertes zu finden, muss ja nicht heißen, dass da nichts sein kann. Ich vertrete die Ansicht – oder glaube ein wenig daran – dass die Umgebung in der man sich als Mensch befindet, auch als ein Spiegel der inneren Welt verstanden werden kann. Und so spreche ich gern vom „in sich selbst wandeln“, wenn sich ein Stück Natur besonders vertraut anfühlt; denn dann gelingt einem die Fotografie auch wie in einem leichten Rauschzustand direkt aus dem Bauch heraus. Und weil das Fotografieren für mich wie bereits erwähnt eben kein Berufsprinzip darstellt, zwinge ich mir keine Motive auf, die mich nicht innerlich ergreifen oder zumindest dem Zweck dienen, etwas Kommunikatives von mir zu unterstreichen (als Artikelbilder z.B.).

Und doch bin noch kein renommierter Naturfotograf geworden; verkaufe keine Jahreskalender, reise nicht besonders viel und habe auch noch keine einzige Nacht mit Teleobjektiv im Tarnzelt verbracht oder in Wathosen inmitten eines Flusses gestanden um mein Stativ aufzubauen. Das hat mir in letzter Zeit ein wenig zu denken gegeben; ob ich denn nicht mein durchaus vorhandenes Talent versickern lasse, nicht mehr daraus mache, ob ich mich nicht weiterentwickle. Was liegt mir an der Fotografie, wieviel bedeutet sie mir? Das sind schwere Fragen die sich, wie so oft, nur durch Handeln und Probieren lösen lassen; weniger durch Nachdenken. Fotografieren sollte mir Freude bereiten und damit dies gelingt, muss das Umfeld stimmig sein. Ich benötige einen Ort, mit dem ich mich verbinden kann. Ist dieser nicht ganz stimmig, greife ich gern zum Makro-Objektiv, vertiefe mich in Details und blende das Umfeld einfach in Unschärfe aus. So sind beispielsweise meine letzten Herbstbilder entstanden. Das ist natürlich keine dauerhafte Lösung, denn mit dem schmalen Bildwinkel der langen Brennweite verengt sich vielleicht mit der Zeit auch der eigene Blick und der Horizont.

Besonders gern mag ich neblige Landschaften und das vermeintlich „schlechte Wetter“. Motive die gestaffelt zunehmend im Dunst verschwinden, erhalten mehr räumliche Tiefe, an der es in einer zweidimensionalen Abbildung ja bekanntlich fehlt. Die Feuchtigkeit verleiht den Farben zudem mehr Leuchtkraft, welche sich vor dem monotonen Grau-Blau des Nebels umso mehr abheben. Besonders ist das Licht im Herbst und Winter, wenn die Sonne auch zur Mittagszeit lange Schatten wirft. Überhaupt kann man feststellen, dass es gute, d.h. ansprechende Fotos ausmacht, dass sie Außergewöhnlichkeiten zeigen – im Sinne von: „Alles – außer gewöhnlich“.

Ein Foto kann emotionalen Inhalt haben und deshalb besonders ansprechend sein. Je nach Thema oder Motiv wird dabei ein großes oder kleineres Publikum angesprochen. Viele Betrachter erreicht man mit menschlichen Hauptemotionen wie Liebe und Trauer; es kann sich aber auch um einen sehr kleinen Kreis berührter Betrachter handeln: Ein Beispiel dafür wäre ein Foto eines verstorbenen Verwandten, das nur innerhalb der Familie oder der Freunde zu Gefühlsregungen führt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob dieses Foto bewusst gestaltet worden ist und sich der Fotograf an gewisse Regeln des Bildaufbaus gehalten hat oder nicht. Hier steht die Person oder das Tier oder irgendein Ding von starker emotionaler Ausstrahlung im Vordergrund des Interesses. Desweiteren kann ein Foto informativen Inhalt haben und daher als ansprechend gelten. Dies betrifft auch dokumentarische Aufnahmen zum Zeitgeschehen oder die Abbildung von wissenschaftlichen oder medizinischen Vorgängen. Der dritte inhaltliche Punkt ist der gestalterische, künstlerische Aspekt eines Fotos, der die Sinne anzuregen vermag. Das kann Appetit sein, aber auch Ekel oder Sehnsucht oder Freude. In vielen Fällen findet man Kombinationen der genannten Kategorien in einem Bild.

Wer schonmal aufmerksam den Unterschied zwischen zwei- und dreidimensionalem Sehen durch Zukneifen oder Zuhalten eines Auges beobachtet hat, wird festgestellt haben, welchen signifikanten Einfluss unser räumliches Sehen auf die fotografische Wirkung eines Motivs hat. Das Gehirn verarbeitet den leichten perspektivischen Versatz, der sich durch den Augenabstand ergibt, zu einem Tiefenerlebnis der Umwelt, was eine herkömmliche Fotokamera bauartbedingt nicht abbilden kann und so manches vermeintlich tolle Motiv im nachhinein langweilig erscheinen lässt (darum kneife ich bei der Motivsuche gern ein Auge zu und beurteile ohne Kamera, ob es sich auch zweidimensional bewährt).

Diesem Mangel und Nachteil, den ja jedes zweidimensionale Betrachtungsmedium innehat, kann man mit gezielter Gestaltung entgegenwirken. Der bereits erwähnte Tiefeneffekt von Nebel und Dunst nennt sich, leider etwas irreführend, „Luftperspektive“. Der allerwichtigste Gestaltungsgriff ist die grafische Trennung von Vorder- und Hintergrund mittels gezielt gelegtem Schärfebereich, durch farbliche Trennung oder mittels Helligkeitskontrast. Und genau der erste Punkt, die Trennung mittels gewollter Unschärfe, kann mit Kompaktkameras, die meist nur über einen winzigen Sensor verfügen, nicht zufriedenstellend umgesetzt werden. Der Grund hierfür ist der kleinere Abbildungsmaßstab, bedingt durch die immer kleiner werdenden Baumaße der Sensoren. Vereinfacht formuliert, werden aufgrund dessen auch die stets vorhandenen unscharfen Bereiche eines Bildes kleiner abgebildet und können nicht mehr zur Gestaltung eingesetzt werden. Obwohl „gute“ Fotos nicht zwangsläufig an große Aufnahmemedien gebunden sind – denn auch mit Kompaktkameras oder sogar Handykameras lassen sich ansprechende Fotografien erstellen – stellt diese bauartbedingte Maßnahme für viele Fotografen eine enorme Einschränkung dar, weswegen sogenannte „Vollformatkameras“ mit ihren Sensoren in Größe und Format von analogem Kleinbildfilm von professionellen Fotografen bevorzugt verwendet werden. Diese, vom analogen „Zeitalter“ bekannte Gestaltungsmöglichkeit muss bei digitaler Bilderfassung leider teuer erkauft werden, denn die Herstellungskosten eines Sensors steigen mit seiner Größe exorbitant an. Aus diesem Grund fotografiere ich bisher auch noch mit einem Kompromiss; nämlich einer digitalen Spiegelreflexkamera mit sogenanntem APS-C Sensor, der immerhin die etwa halbe Fläche eines Vollformatsensors aufweist und in Verbindung mit lichtstarken Objektiven auch ein gestalterisches Spiel mit Schärfe/Unschärfe zulässt. Dennoch wäre, nicht zuletzt auch wegen der mit dem Sensor einhergehenden Größe des Suchers, eine Vollformatkamera meine bevorzugte Wahl.

So wie ein Maler seine Pinsel und Farben, ein Bildhauer seine Meißel und Hölzer oder ein Töpfer seine Drehscheibe und den Brennofen hat, so ist die Kamera mitsamt verschiedenster Objektive das Werkzeug des Fotografen. Dazu gehören auch die hundert Einstellregler des Bildbearbeitungsprogrammes oder die Wahl der passenden Präsentation. Aber wir wären keine Menschen, wenn nicht ein Jeder, ob nun (Kunst)-Handwerker oder nicht, einen emotionalen Bezug zu seinem Werkzeug hegt. Und so bedeutet auch mir meine Kamera, mit ihren Schrammen und Kratzern, mehr als nur ein bloßes Instrument zur Bilderfassung. Sie begleitete mich nach Schweden und Norwegen, durch neblige Täler, widerstand Regen und Kälte, stieg mit auf hohe Berge und „sah“ all die wundervollen Landschaften und Lichtspiele, auf die ich traf. Die Kaufentscheidung zu solch einem Werkzeug ist daher eine schwierige Gratwanderung, bei der genau zwischen verstandesmäßigem Nutzen und gefühlsbasierter Entscheidung abgewägt werden sollte. Neben all den unzähligen technischen Daten muss vor allem die Bedienbarkeit, der Aufbau und die Anordnung der Knöpfe und Einstellräder zu den eigenen Vorlieben passen. Eine Kamera ist ein Gerät für die Sinne; zuallererst natürlich für das Auge, weswegen besonders auf den Sucher geachtet werden sollte, der möglichst hell und groß sein sollte. Sie muss zudem gut in der Hand liegen und nach einiger Einarbeitungszeit „im Schlaf“ bedienbar sein.

Tatsächlich kann ich mich vage an Träume erinnern, in denen ich wahrhaft umwerfende Szenarien gesehen hatte und den starken Drang verspürte, diese fotografisch festzuhalten. Und auch im Traum bediente ich die Kamera absolut logisch und wählte Zeit und Blende sinnvoll. Umso größer war dann die Enttäuschung nach dem Erwachen; darüber, dass die Bilder doch nicht erhalten waren. Einmal träumte ich gar, ein Verfahren gefunden zu haben, mit dem sich im Traum fotografierte Bilder in den Wachzustand mitnehmen ließen. Die Enttäuschung war nachher noch größer…

Bereits vor der Ausbildung lernte ich, eine Kamera mit manuellen Einstellungen zu bedienen und behalte diese Vorgehensweise, abgesehen von besonderen Situationen, weiterhin bei. In schwierigen, kontrastreichen Lichtsituationen schalte ich mit nur einer Daumenbewegung auf die Spotbelichtungsmessung um und messe Referenzpunkte verschiedener Helligkeiten im Motiv aus und weise dem Relevantesten oder am sichersten zu definierenden Bereich eine feste Helligkeit in der Belichtungsskala zu. Diese etwas aufwendigere Vorgehensweise der Belichtungsmessung ist nur bei schwierigen Lichtsituationen, wie z.B. Gegenlicht notwendig. In den meisten Fällen liefert das großflächige Messfeld auf der Normalbelichtung „0“ gute Ergebnisse.

Meine Kamera kann, laut technischem Handbuch, einen Kontrastumfang von 9 Blenden erfassen (ein hervorragender Wert für digitale Kameras wären 12 oder gar 14 Blenden). Dabei muss man wissen, dass die digitalen Sensoren in den dunklen Bereichen wesentlich mehr Spielraum bieten als in den Lichtern.

Die auf rund 18%-ige Lichtreflektion geeichte Normalbelichtung ist auf der im Sucher und auf dem Display eingeblendeten Skala mit 0 markiert. Dies entspricht, grob gesagt, einem mittleren Grauwert. Im Automatikmodus mit großem Messfeld würde die Kameraelektronik versuchen, das gesamte Bild auf diesen Mittelwert zu belichten (Schnee würde Grau werden und auch eine Schwarze Fläche wäre auf dem Foto Grau). Dabei kann es aber geschehen, dass motivrelevante Bildbereiche, wie z.B. helle Wolken unrettbar reinweiß oder Schattenbereiche sattschwarz werden; da die Automatik trotz ausgeklügelter Algorithmen nicht (immer) vorhersehen kann, auf welchen Bereich der Fotograf nun sein Augenmerk legt. Da hilft die besagte Spotmessung, die, wie der Name schon verrät, nur einen kleinen Teilbereich ausmisst. In Verbindung mit den drei Belichtungseinstellungen: Blende, Verschlusszeit und ISO-Empfindlichkeit kann nun für den anvisierten Bereich eine Helligkeit auf der Belichtungsskala festgelegt werden. Wenn möglich, wird immer mit dem niedrigsten ISO-Wert gearbeitet, da dieser die beste Bildqualität mit minimalstem Rauschen liefert. Als zweite Entscheidung hat, je nach kreativem Zweck, die Blende oder die Zeit vorrangige Bedeutung.

Gilt es, nur einen kleinen Schärfebereich herauszustellen, hat eine große Blende (sprich: kleine Blenden-Zahl!) Priorität und die Zeit wird an diese angepasst. Andersherum wird die Blende an die Zeit angepasst, wenn beispielsweise eine besonders lange Verschlusszeit für die Aufnahme einer verwischenden Bewegung (z.B. eines Wasserfalls) benötigt wird (um dabei dennoch flexibel mit der Blende arbeiten zu können, kann ein Graufilter hilfreich sein). Mit der Methode der Spotmessung und manuellen Belichtungseinstellung kann ein Foto relativ sicher korrekt belichtet werden, da man sich durch Ausmessen mehrerer Punkte schon vor dem Auslösen eine Vorstellung davon machen kann, welche Helligkeiten im Bild vorliegen sollen. So war es mir auf meiner Jotunheimen Trekkingtour möglich, komplett ohne eingeschaltetes Display und ohne Bildkontrolle alle Fotos korrekt zu belichten und somit ausreichend Akkuleistung für die zwei Wochen zu sparen. Analog auf Diafilm hätte es so ebenfalls ohne böse Belichtungs-Überraschungen funktioniert.

Misst man beispielsweise in einem Landschaftsmotiv auf den kräftig-blauen Himmel und definiert diesen Bereich durch Anpassung von Blende, Zeit oder ISO auf den Belichtungswert von +1 auf der Skala im Sucher, so wird der Himmel im fertig belichteten Foto Pastellblau sein. Dementsprechend steigt natürlich die Helligkeit im gesamten Bild an und auch Schattenbereiche im Vordergrund werden heller sein, was durchaus erwünscht sein kann. Um dies zu prüfen, werden sie ebenfalls ausgemessen. Der Bereich der Spotmessung im Sucher wird durch Schwenken der Kamera auf den Schattenbereich gerichtet und durch leichtes Antippen des Auslösers angemessen. Die Skala zeigt dann vielleicht einen Wert von -2, was dunklen Farbtönen mit noch vorhandener Durchzeichnung (erkennbaren Details) entspricht, wenn man von spezieller Nachbearbeitung absieht oder eben auf Diafilm fotografiert. Ist dies der Fall, kann der Auslöser betätigt werden.

Blinkt die Skala im Minusbereich, dann sind die Schatten schwarz und ohne Detailzeichnung. Nun muss abgewägt werden, ob die Helligkeit weiter angehoben werden kann, ohne den Himmel überzubelichten. Zeigt der Messwert im Himmel +2 oder mehr, nähert er sich dem Weiß, ganz egal, ob es sich in Wirklichkeit um blauen Himmel oder tiefstem Abendrot handelt. In solchen Situationen ist es in der Digitalfotografie hilfreich, den Dynamikumfang seiner Kamera zu kennen. Am Beispiel meiner Kamera sind es, wie bereits erwähnt, 9 Blenden. Ausgehend von der Normalbelichtung 0 bedeutet dies, dass der Sensor bis auf knapp 3 Blenden Überbelichtung Zeichnung in den Lichtern aufnimmt und bis zu -6 Blenden in den Schatten. Somit kann man, die nötigen Nachbearbeitungskenntnisse vorrausgesetzt, den hellsten Bereich des Bildes, der noch Details enthalten soll, auf – sicherheitshalber +2 definieren und dann prüfen, ob die Reserven in den Schatten ausreichen, um diese später in der Nachbearbeitung aufzuhellen. Die technische Messpriorität sollte immer bei den Lichtern liegen, da der Sensor dort den geringsten Spielraum hat, während im Prinzip die gesamten höheren ISO-Einstellwerte der Kamera nichts anderes als eine Signalverstärkung bedeuten.

Ein „gesättigtes“ Signal bedeutet Weiß und kann nicht wiederhergestellt werden, die Information ist überschrieben. Hingegen kann ein schwächeres Signal noch verstärkt werden. Dabei werden allerdings auch die Störungen verstärkt, was zu Bildrauschen führt. Sensoren mit großer Fläche (Vollformat) und relativ kleiner Pixelanzahl haben ein größeres „Füllvolumen“ als kleinere Sensoren und können mehr Licht aufnehmen, weswegen diese Kameras den meisten Kompakten oder Handykameras in der Bildqualität weit überlegen sind und auch bei wenig Licht qualitative Aufnahmen ermöglichen.

 

In Teil II erkläre ich, wie digitale Fotos in der Kamera entstehen und gebe einige Tipps zur Bildbearbeitung –> hier gehts weiter…

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