Trekking, Trekkingwissen
Schreibe einen Kommentar

Trekkingnahrung II – Dörren

Warum dörren?

Die Essenszusammenstellung für die Jotunheimen-Tour war bezüglich der primären Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß gut durchdacht und balanciert. Auch geschmacklich waren meine Grundzutaten durch die Ergänzung mit Tütensuppen und Brühwüfeln in Ordnung; wenn sich auch gegen Ende der Tour ein gewisser Überdruss einstellte, der auch die Nussmischung betraf. Trotz fettreicher Nüsse für zwischendurch und der Zugabe von gemahlenen Sesam- und Sonnenblumenkernen in die Hauptmahlzeiten, spürte ich gegen Ende der zwei Wochen ein großes Verlangen nach etwas äußerst fetthaltigem wie Erdnusscreme. Vielleicht ein irregeführter Bedarf nach Vitaminen und Mineralstoffen?

Trekkingnahrung ist natürlich immer ein Kompromiss aus Gewicht, Volumen, Energie- und Nährstoffgehalt. Was bisher aufgrund des hohen Wassergehaltes (und damit Gewichtes) fehlte, waren Vitamine in Form von Obst und Gemüse. Gerade auf mehrwöchigen Touren beeinträchtigt ein solcher Mangel die Gesundheit und den Appetit. Das muss nicht sein, denn viele Vitamin- und Mineralstoffspender lassen sich hervorragend und einfach zuhause trocknen und somit haltbar und leichtgewichtig machen. Trockenobst ist zwar recht teuer, aber in verschiedenen Supermärkten erhältlich. Getrocknetes Gemüse fand ich hingegen dort bisher nicht. Durch einen Trekking-Vortrag, den ich Ende letzten Jahres besuchte, wurde ich erneut auf das Thema aufmerksam und nahm mir vor, für meinen nächsten Trip ebenfalls selbst Gemüse zu trocknen um damit meine Speisen unterwegs bereichern zu können.

Durchführung

Im Vortrag wurde gezeigt, wie das Gemüse in großen Mengen einfach auf Backblechen im Ofen getrocknet und somit für die mehrere Monate andauernde Reise konserviert wurde. Das Dörren kann eine Wissenschaft sein, denn genau genommen gelten je nach Obst- oder Gemüsesorte unterschiedliche Behandlungsmethoden wie eventuelles Schälen oder Würfel schneiden, bestimmte Temperaturen und Vorbehandlung in Form von Blanchieren oder Tauchen in Zitronenwasser (für Obst). Mit speziellen Dörrautomaten für den Hausgebrauch kann man die Trockung effizient und steuerbar durchführen – aber so aufwändig und teuer will ich es gar nicht betreiben, da es mir ledigleich um eine Nahrungsergänzung für wenige Wochen unterwegs geht.

Das Wichtigste für eine rasche und vollständige Trockung ist es, möglichst hauchdünne Scheiben zu schneiden. Dafür nutze ich ein Gemüsemesser mit fein gezahnter Schneide. Scheibendicke, Temperatur, Trocknungsdauer und verbleibender Nährstoffgehalt stehen beim Dörren im Zusammenhang miteinander. Je nach Gemüse sollte die Trocknungstemperatur nicht mehr als 50°C betragen, da sonst die Nährstoffe verloren gehen. Somit ist das Trocknen im Backofen weniger geeignet, da sich diese meist erst ab 50°C einstellen lassen. Schonender und energiesparender ist es meiner Ansicht nach, in den Wintermonaten auf Heizkörpern zu dörren, wenn diese ohnehin eingeschaltet sind. Apfelringe habe ich in den Sommermonaten bisher auch erfolgreich an einer Schnur im Raum aufgehängt gedörrt.

Aufbewahrung

Die Heizkörper sind bei mir auf die Stufe 3 (von 5) eingestellt. Die feinen Scheiben von rohen Pastinaken, Möhren und (geschälten) Kartoffeln liegen ohne Überlappung auf Backpapier und sind innerhalb von maximal 12 Stunden durchgetrocknet. Es ist schon erstaunlich, wie stark das Gemüse zusammenschrumpelt: War die Heizungsoberfläche anfangs noch von den Scheiben einer einzelnen Möhre komplett bedeckt, schrumpft der Platzbedarf nach einigen Stunden auf etwa ein Viertel und lässt Raum für die nächste Trocknung. Für den Transport im Rucksack werde ich das Dörrgut später noch weiter zerbröseln um das Volumen geringer zu halten. Mit Clips verschlossene Gefriertüten dienen unterwegs zur Aufbewahrung.

Dies ist zunächst ein Test; inwieweit das Gemüse langfristig haltbar und schmackhaft ist, wird sich noch herausstellen. Ein halbes Jahr Haltbarkeit sollte aber möglich sein und reicht mir auch aus. Vorteil der Heizungsmethode ist auch die Geräuschlosigkeit; wohingegen die Lüftung eines Dörrautomaten oder Backofens auf Dauer störend sein kann. Wichtig ist es, das Dörrgut nach der Trocknung luftdicht verschlossen aufzubewahren, da es dazu neigt, Feuchtigkeit wieder anzuziehen. Neben den eben erwähnten Gefrierbeuteln eignen sich für daheim im Schrank Gefrierdosen aus Kunststoff und Gläser mit Gummidichtung.
Diese sollten kühl und lichtgeschützt gelagert werden.

Ich werde noch weitere Gemüsesorten auf ihre Dörrbarkeit testen und freue mich schon auf eine leckere und nahrhaftere Trekkingmahlzeit irgendwo in der Weite Skandinaviens.

Kommentar verfassen