Trekking, Trekkingwissen
Schreibe einen Kommentar

Fernwandern mit kleinem Budget

Um für einige Tage oder sogar Wochen draußen unterwegs zu sein, braucht man außer der erforderlichen Freizeit vor allem geeignete Ausrüstung, genug Verpflegung und wahrscheinlich eine Reiseverbindung an den auserwählten Ort der Sehnsucht. Steht man vor seinem allerersten Trekkingabenteuer, kommen zunächst erstmal hohe Anschaffungskosten für die essentiellen Dinge wie Zelt, Schlafsack, Kocher, Bekleidung und Wanderschuhe auf. Diese Ausgaben können die Reisekasse schon erheblich belasten oder gar weit übersteigen, sodass der Wunsch nach einer Fernwanderung verschoben oder ganz verworfen wird.

Das wäre natürlich sehr schade und ist geradezu paradox, wo man sich doch eben nach einem einfachen Leben in der Natur sehnt – und sich dieses dann nicht leisten kann. Hinzu kommt, dass die beliebten Reiseziele wie Schweden und Norwegen – Länder, in denen das Jedermannsrecht das Zelten in der freien Natur erlaubt – auch an sich schon ziemlich teuer sind.

Die Outdoorindustrie bietet ein immenses Angebot an Produkten, zugeschnitten für jede erdenkliche Situation da draußen. Es wäre aber falsch – und eben wahnsinnig teuer – anzunehmen, immer die neuesten, ausgefeiltesten und komfortabelsten Entwicklungen haben zu müssen. Man kann sich dabei z.B. vor Augen halten, dass Expeditionen des vergangenen Jahrhunderts mit einer Ausrüstung erfolgreich waren, die im Vergleich zu den heute erhältlichen Produkten für den Massenmarkt geradezu primitiv erscheint. Und wir wollen ja nicht gleich eine Extrem-Expedition in den Himalaya starten, oder?

Hier also ein paar Tipps wie du sparen kannst:

Kleidung nach dem Zwiebelprinzip

Sicher – eine atmungsaktive Allwetter-Trekkinghose ist komfortabel. Man hat sie immer an, egal ob die Sonne scheint oder Regen fällt. Sie hält trocken und man schwitzt nicht. Kostet aber schnell mal 150€.

Für nur ein Drittel dieses Preises bekommst du eine einfache, dünne, leichte Wanderhose mit abnehmbaren Beinen für die sonnigen Stunden UND eine simple, wasserdichte Regenhose zum Drüberziehen. Mit der kann man dann auch sorglos durch nasses, hochstehendes Gras gehen, ohne nasse Beine zu bekommen.

Bei Wetterwechsel muss dann eben an- oder ausgezogen werden. Aber mal ehrlich: das ist angesichts der Geldersparnis doch ein guter Deal.

Dasselbe gilt auch für die Oberkörperbekleidung; eine günstigere Softshell ohne teuren Membran plus eine platzsparende wasserdichte, dünne Regenschutzjacke spart sehr viel Geld. Oder du verwendest gleich einen Poncho, der deinen Rucksack mit bedeckt. So sparst du dir die Regenhülle, falls nicht sowieso schon eine bei deinem Rucksack dabei war. Wenn es unter der Gesamtpackung beim wandern im Regen zu warm werden sollte, zieht man nur den Regenschutz an und lässt die Softshell im Rucksack.

Vor einer teuren Funktionsjacke investiere lieber in gute Schuhe, in denen du auch in schwierigem Gelände sicher laufen kannst und bei Regen oder morastigem Gelände nicht gleich nasse Füße bekommst. An den Schuhen würde ich nicht sparen.

Plastiktuete über Schuh

so endet es, wenn man die falschen Schuhe ausgewählt hat…

Multifunktionale Ausrüstung

Wie schon erwähnt, gibt es für alles Mögliche irgendetwas Spezielles zu kaufen. Das geht über Reise-Schlafkissen und komplette Besteck-Sets bis hin zu „Outdoor“-Weingläsern aus Kunststoff oder speziellen Bananen-Aufbewahrungsdosen. Sowas brauchen wir natürlich nicht wirklich.

Als Kopfkissen unter der Kapuze deines Schlafsacks benutzt du dessen Packsack – gefüllt mit Kleidung, die du nachts nicht brauchst, z.B. deiner Jacke oder einem Pullover. Ich habe auf meinen letzten beiden Touren in Skandinavien sowieso immer eine gefütterte Unterjacke dabei gehabt und diese nachts dann in einem kleinen Packsack als weiche Kopfunterlage verwendet.

Klar essen wir draußen aus dem Topf, da braucht es keinen Teller. Aber vielleicht lässt sich sogar Trinkgefäß und Kochgeschirr vereinen, indem du dir eine entsprechend große Tasse aus Metall zulegst. Ein Fassungsvermögen von 750ml ist meiner Erfahrung nach für eine Person ausreichend.

Alternativ zu speziellen Trinkflaschen können auch herkömmliche PET Wasserflaschen verwendet werden. Nachteile sind die kleine Öffnung und die geringe Wandstärke.

Als Besteck reicht in den allermeisten Fällen ein Löffel aus. Ideal sind die sogenannten Sporks, also Löffel-Gabel Kombinationen, die oftmals auch noch über eine Zahnung verfügen. Die leichten Plastikvarianten sind für unter 10€ zu haben, werden nach 2-3 Jahren aber spröde und brechen. Es gibt sogar Sporks aus Buchenholz; diese sind günstiger als die Titan-Versionen und wahrscheinlich haltbarer als jene aus Plastik.

Äste als Trekkingstöcke

Hier die absolute Trekkingstock-Sparvariante 😉

Falls du es vorziehst mit Trekkingstöcken zu wandern, wäre die Anschaffung eines leichten und günstigen Zeltes denkbar, welches ohne eigene Gestänge daherkommt und stattdessen mit den Stöcken aufgebaut wird. Das spart Geld und Gewicht.

Stelle dein Essen selbst zusammen

Tütennahrung, die nur mit heißem Wasser aufgegossen werden muss, hat zugegebenermaßen etliche Vorteile. Die Rationen sind auf die Reisetage einfach zu kalkulieren; das gibt ein sicheres Gefühl. Man weiß, wieviel gekauft werden muss und wie lange die Vorräte im Rucksack noch reichen. Sie sind an bekannte Gerichte angelehnt und auf guten Geschmack hin entwickelt; außerdem gefriergetrocknet und damit sehr leichtgewichtig. Sie müssen nicht aufwändig gekocht werden, was nebst Zeit und Nerven auch noch Brennstoff spart. Ist alles sehr überzeugend und richtig. Aber.

Outdoorgeschäfte mit entsprechendem Angebot an Spezialnahrung gibt es meist nur in größeren Städten oder auf Gebirgsstationen – zu nochmals höheren Preisen. Du müsstest dich also für deine komplette Wanderung von Anfang an eindecken oder Versorgungspakete an Hütten oder Poststationen schicken lassen (was auf einigen Langstreckenwanderungen in entlegenen Gebieten ohnehin Sinn macht).

Die geldbeutelschonende Alternative ist, sich seine Mahlzeiten kreativ und nach eigenen Vorlieben selbst zusammenzustellen. Dazu werden Grundnahrungsmittel wie Reis, Buchweizen, Pasta, Hirse etc. mit Würzmitteln (Tütensuppen, Brühwürfel) und Fett z.B. in Form von geriebenem Käse und Kokosfett miteinander kombiniert. Zum Frühstück gibt‘s Haferflocken mit Rosinen und zwischendurch eine leckere Nussmischung statt teurer Energieriegel.

Siehe auch meinen Artikel: Trekkingnahrung III

Diese Zutaten bekommt man in fast jedem Supermarkt, auch in den kleineren Geschäften wie dem ICA nära in Schweden. Bei diesen Gelegenheiten kaufe ich auch immer etwas Obst und Gemüse und verbrauche es schnell, damit es nicht auf Dauer zu schwer wird.

Du kannst auch selbst zuhause vor der Reise Gemüse dörren, damit es haltbar und leicht wird. Dazu hier mein Artikel: Trekkingnahrung II – Dörren

Ausrüstung gemäß der Bedingungen wählen

Welche Temperaturen erwarten dich nachts im Durchschnitt und was solltest du dabei haben, um auch mal eine Nacht unter diesen Erwartungen zu überstehen? Diese Fragen gilt es zu recherchieren, bevor ein Schlafsack angeschafft wird. Die Hersteller geben einen Komfortbereich an, nach dem man sich richten kann. Bedenke aber, dass dieser für lange Unterbekleidung und das Tragen einer Mütze im Schlafsack gilt!

In der Regel sind besser isolierende (wärmere) Schlafsäcke teurer und sollten auch aus Gründen des Gewichts nur angeschafft werden, wenn deren Leistung auch wirklich benötigt wird. Kunstfaser ist die Wahl, wenn es um den Preis und Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit geht. Legst du großen Wert auf leichte Ausrüstung, ist Daune unschlagbar.

Hierbei hilft dir vielleicht mein Testbericht zu meinem Daunenschlafsack weiter, den ich sechs Wochen in Norwegen und Schweden verwendet habe.

Auch das Zelt muss u.a. nach den Kriterien von erforderlicher Größe, Gewicht und Wetterfestigkeit ausgewählt werden. Für Trekkingreisen in skandinavischen Ländern sollte es aber in jedem Fall eine ausreichend stabile Konstruktion sein, die auch leichtem Sturm standhält. Dann ist auch ein Ultraleichtzelt denkbar. Ich selbst verwendete in Norwegen und Schweden eines mit nur ca. 1kg Gewicht (im Zeitraum Mitte Juli bis Ende August).

Falls du als Schutz eine Zeltunterlage verwenden möchtest, kannst du dir eine einfache Schutzplane auf die Maße des Zeltbodens zuschneiden. So eine Plane bekommst du für 10€, wohingegen eine originale Unterlage vom Zelthersteller ab 30€ kostet. Diese ist dann natürlich leichter.

Es ist generell wichtig seine Ausrüstung zu kennen und zu wissen, wo deren Grenzen liegen – um gegebenenfalls rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen (besser abspannen, Zeltunterlage verwenden, Standort wechseln, eine Schutzhütte aufsuchen etc).

Ausrüstung leihen

Ich habe es selbst noch nicht gemacht, aber da Fragen bekanntlich nichts kostet, wäre es eine Option, sich in einem Sportgeschäft danach zu erkundigen. Am ehesten lohnt sich dies wohl für das Zelt. Unbedingt das Thema Versicherung im Schadensfall abklären und Leihgut vorher immer sorgfältig auf eventuelle Mängel untersuchen und diese vor Gebrauch beanstanden.

Vielleicht fragt man aber lieber erstmal im Verwandten- und Bekanntenkreis herum. Rucksack, Isomatte und Kocher wären neben Zelt und Kleinkram noch Dinge, die man da eventuell leihen kann. Schlafsäcke eher nicht.

Im Zelt schlafen

Hat man sich für mehrere hundert Euro ein passendes Zelt zugelegt, sollte sich das auch gelohnt haben. Konkret heißt das: Auch wenn die Übernachtungshütten mit Betten, Küchenbereich und einem Kamin locken – schlaf‘ in deinem Zelt. Du hast es gekauft, hierher getragen und wolltest den Luxus bewusst daheim lassen. Nicht weich werden 😉 Bei mehrwöchigen Touren ist so eine Nacht im Bett allerdings auch echt mal nötig; das kann man schon mal machen.

Planst du eine reine Hüttenwanderung oder häufig in solchen zu nächtigen, denke über eine Mitgliedschaft im jeweiligen Touristenverein (STF in Schweden oder DNT in Norwegen) nach. Das rechnet sich aufgrund der Rabatte vielleicht.

Link zur Übersicht Mitgliedschaft im STF
Link zur Übersicht Mitgliedschaft im DNT

Navigation

Dieser einfache Kompass – ein uraltes Werbegeschenk – wies mir zuverlässig die Richtung übers weglose Fjell. Zusammen mit Karten im Maßstab 1:100 000 hat das bisher meist gut funktioniert.

GPS-Navigationsgeräte sind bei schmalem Geldbeutel natürlich kein Thema. Außerdem benötigen sie Strom, den du ggfs. in zusätzlichen Akkus (Powerbank) transportieren oder sogar mittels Reisesolarpanel erzeugen musst. Dasselbe gilt natürlich auch für die Verwendung eines Smartphones zur Navigation. Aber auch herkömmliche Karten aus Papier sind neuwertig keineswegs billig. So kommen beispielsweise für die vier benötigten Fjällkarten für den Südlichen Kungsleden schon stolze 60€ zusammen.

Darum habe ich auch gebrauchte Karten oder ältere Ausgaben gekauft. Letztere sind oft im Ausverkauf in Outdoorgeschäften zu finden. Negative Überraschungen ergaben sich deshalb nicht, eher war das Gegenteil der Fall. Laut veralteter Karte zu überquerende Flüsse hatten mittlerweile eine Brücke spendiert bekommen. Für genaue Planung ist das auch nicht das Optimum, macht‘s aber spannender 😉 Letztendlich muss man selbst abwägen, wieviel einem das sichere Vorwissen wert ist. An der Beschaffenheit der Landschaft und dem Wegeverlauf ändert sich ja meistens nichts. Einzig der Status von Hütten (bedient/unbedient) könnte sich verändern.

Auch interessant zu wissen: alle Fjällkarten von Schweden gibt es auch in einer kostenlosen Onlineversion! Ideal, um sich vor dem Kauf einer Karte ein Bild zu machen und vorab zu planen. Somit besteht auch die Möglichkeit, sich Bereiche selbst auszudrucken. Bei kleineren Touren ist das vielleicht eine lohnenswerte Option.

Ist die Karte nach der Reise noch gut erhalten und wird nicht gleich wieder benötigt (auch wenn man nach der Rückkehr doch gern sofort wieder zurück möchte…) ist der Weiterverkauf über Kleinanzeigen oder Plattformen für gebrauchte Literatur eine Möglichkeit, die Kosten nachher etwas auszugleichen.

Frühbucher-Rabatte nutzen

Egal ob du fliegst, Bahn oder Bus fährst – wer früh genug bucht, bekommt in der Regel einen günstigeren Preis. Die Bahn bietet beispielsweise das Europa-Spezial an. Besonders günstig reist man damit bei Nachtfahrten oder weniger frequentierten Verbindungen/Zeiten. 2013 sind wir mit solch einem Ticket zu zweit für 75€ inklusive Sitzplatzreservierungen mit dem Zug von Frankfurt nach Stockholm gefahren – hatten aber auch mehrere Wochen im Voraus gebucht.

Auch wenn ich persönlich kein Freund von Fernbusfahrten bin, kann dies die billigste Fortbewegung sein, vor allem wenn es um kurzfristige Buchung geht.

In Schweden oder Norwegen per Anhalter fahren zu wollen – beispielsweise um in die nächste Stadt zum günstigen Einkaufen im Supermarkt zu gelangen – ist reine Glückssache und ein langes Geduldsspiel. Wenn jemand anhält, ist es höchstwahrscheinlich der Besitzer des nächsten Wandererheims, der dir gleich ein Zimmer oder eine Hütte vermieten möchte…


Das ist, was mir zum Thema Low-Budget-Trekking einfällt. Vielleicht war der ein oder andere Tipp nützlich und hilft dir bei der Planung deiner Tour.

Hast du noch andere Ideen? Schreib’s mir in die Kommentare!


Hier nochmal die Links zu relevanten Artikeln:

Trekkingnahrung IIITrekkingnahrung II - DörrenTestbericht zu meinem DaunenschlafsackListe meiner Ausrüstung

Kommentar verfassen