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Tipps zum Kamerakauf – Teil 2

Falls du direkt zu Teil 2 gestolpert bist – HIER geht es zum ersten Teil.

Gebrauchtes kaufen

Kaum ein anderer Markt ist derart schnelllebig wie der Elektronikbereich und bietet eine nahezu undurchschaubare Vielzahl und Vielfalt an Produkten. Bei kleineren Anschaffungen mag ein im Nachhinein bereuter Kauf zu verschmerzen sein; geht es aber um eine Fotoausrüstung, sollte man angesichts der Preise ganz besonders auf den Kosten/Nutzen-Faktor achten. Berufsfotografen tun dies meist selbstverständlich, aber auch Hobbyfotografen sollten ganz genau überlegen, welche Kamera oder welches Objektiv im persönlichen Bezug sein Geld wirklich wert ist. Auch das benötigte Zubehör an Speicherkarten, eventuellen Filtern, einem Stativ, Kameratasche, Rucksack summiert eine ordentliche Stange Geld, die sich etwas schwerer im Voraus einschätzen lässt.

Quelle: pixabay.com | Fotograf: olichel

Quelle: pixabay.com | Fotograf: olichel

Wenn man selbst nicht zu denen gehört, die sofort das Neueste besitzen müssen – so kann man wenigstens vom Kaufverhalten solcher Menschen Nutzen ziehen, um selbst günstiger an beispielsweise den Traum von der Vollformatkamera zu kommen. Elektronik- oder Fotogeschäfte bieten manchmal Vorführmodelle zu vergünstigten Preisen an. Profifotografen rangieren die Topmodelle der letzten oder vorletzten Generation aus, um marktfähig zu bleiben, weil ihre Kunden – aus welchen Gründen auch immer – z.B. höhere Auflösungen fordern. Ebenso werden Kameras abgestoßen, die bei weiterer langfristiger Benutzung aufgrund von Verschleiß ein Ausfallrisiko darstellen. Daher sollte man bei jedem Kameragebrauchtkauf auf die Anzahl der bisher getätigten Auslösungen achten. Denn insbesondere der Verschluss einer Kamera ist hohen Belastungen ausgesetzt und wird daher vom Hersteller auf eine Auslöseanzahl getestet, die angibt, wie viele Klicks die Kamera mindestens verträgt. Dieser Wert ist je nach Kameraklasse verschieden und bewegt sich von 100.000 bis 300.000 Auslösungen. Wer beispielsweise vorhat, Zeitrafferaufnahmen aus Einzelfotos zu erstellen oder generell sehr viele Aufnahmen macht, sollte sich beim Gebrauchtkauf weit unterhalb dieser Grenzwerte orientieren. Es verhält sich hier also in etwa so, wie beim Kauf eines gebrauchten Autos und dessen Kilometerstand.

Auch ist auf die Funktionalität der Knöpfe und Einstellräder zu achten. Funktionieren die Rastungen einwandfrei, ist die Beschriftung noch gut zu erkennen und reagiert die Kamera auch bei jedem Knopfdruck?

Da sind Kratzer und Abriebstellen aus Käufersicht doch eine wesentlich willkommenere finanzielle Wertminderung. Wer gut mit einer Kamera leben kann, die kleinere äußerliche Makel und Gebrauchsspuren aufweist, bekommt für vergleichsweise wenig Geld dennoch die volle Funktionalität. Wichtig herbei ist, dass es sich tatsächlich nur um kosmetische Mängel handelt und keine Risse, die die Stabilität des Gehäuses oder die Unversehrtheit des empfindlichen Innenlebens gefährden. Da ist man bei einem Modell mit Metallgehäuse schon eher auf der sicheren Seite. Professionelle oder semiprofessionelle Kameras haben i.d.R. ein mit Kunststoff überzogenes, robustes Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung. Aufgrund der Rostfreiheit sind Stellen von abgeriebenen Plastik also an sich problemlos. Resultieren sie von einem Sturz, ist natürlich Vorsicht geboten und die Kamera ganz genau zu untersuchen. Bei Kratzern auf dem Display muss man abwägen, inwieweit diese die Bildbeurteilung sowie Steuerung und Lesbarkeit des Menüs beeinträchtigen.

Als Markt für Gebrauchtgeräte bieten sich Plattformen an, die einen unkomplizierten Rückversand mit Gelderstattung bieten, falls doch etwas nicht in Ordnung ist. Auch soll die Verwendung von PayPal eine gewisse Rückgabesicherheit bei Privatverkäufern bieten; das habe ich jedoch noch nicht selbst probiert. Unternehmen, die Gebrauchtgeräte auf Versteigerungs- oder Kleinanzeigenmärkten anbieten, müssen i.d.R. ein Rückgaberecht gewähren. Allerdings kommt bei den meisten kommerziellen Anbietern die Mehrwertsteuer hinzu. Angebote von Privat können teils einige hundert Euro günstiger sein, als kommerzielle Anbieter; jedoch ist zu bedenken, dass hierbei eine Rücknahme meist ausgeschlossen ist und es keine Garantie auf geprüfte Funktionalität der Ware gibt. Daher sollte man bei höherpreisigen Privatverkäufen die Ware immer persönlich abholen, diese genau prüfen und nicht im voraus Geld überweisen. Das Riskiko, auf versteckten Fehlern und Mängeln sitzen zu bleiben, besteht trotzdem und kann auch bei kommerziellen Anbietern zum Problem werden, wenn die Garantie oder Gewährleistungszeit kurz ist. Am besten man testet das neue Gerät sofort und intensiv.

Bei gebrauchten Kameras muss man damit rechnen, dass mitgelieferte Akkus nicht mehr die volle Ladekapazität bieten. Die Anschaffung eines neuen Original- oder kompatiblen Fremdherstellerakkus sollte man also schon mal mit einplanen. Auf eventuelle nicht mehr vorhandene Software kann man normalerweise gut verzichten, da diese auch im Internet auf der Herstellerseite heruntergeladen werden kann, sofern die Kamera nicht zu alt ist. Am besten gegebenenfalls vorher prüfen.

Bei gebrauchten Objektiven sollte darauf geachtet werden, dass diese absolut frei von Kratzern auf den Linsen sind. Das gilt insbesonders für die Hinterlinse. Es sollten sich keine Einschlüsse in Form von Schmutz oder Staubpartikeln im Innern des Objektives befinden. Sogar Pilzbefall ist möglich. Der Fokus und bei Zoomobjektiven auch die Brennweite, sollten sich geschmeidig und weich drehen lassen. Das Filtergewinde sollte keine Dellen aufweisen oder stark abgenutzt sein. Wenn nicht aus der Beschreibung oder Abbildung ersichtlich, kann man nachfragen, ob beide Objektivdeckel vorhanden und ob eine Streulichtblende sowie vielleicht ein Objektivköcher im Angebot enthalten sind.

Prioritäten

Quelle: pixabay.com | Fotograf: unsplash

Quelle: pixabay.com | Fotograf: unsplash

Sofern man nicht ständig unter Extrembedingungen fotografiert, bei denen eine topaktuelle Kamera nötig ist, tendiere ich dazu, den Objektiven beim Kauf eine höhere Priorität als der Kamera zu geben. Der Grund ist einfach: Objektive sind wertbeständiger und können, wenn sie hochwertig sind, bei einem Systemwechsel noch recht hochpreisig weiterverkauft werden. Das hängt auch mit der Zukunftssicherheit des verwendeten Anschlusses (Bajonett) zusammen. Innovative, spiegellose Systemkameras mit ihren kleineren Baugrößen sind dabei, die großen, schweren Spiegelreflexkameras abzulösen. Das wird auch die lang gehegten Bajonett-Anschlüsse von Nikon und Canon bedrohen, weil sich die Hersteller gezwungen sehen, diesen neuen Markt zu bedienen.

HIER ein interessanter, kritischer Artikel über das spiegellose Kamerasystem (englisch).

Die Vor- und Nachteile der neuen spiegellosen Kameras möchte ich an dieser Stelle nicht weiter zur Diskussion machen. Was aber sicher bleibt, ist die Tatsache, dass auch weiterhin eine teure Kamera innerhalb von wenigen Jahren rapide an finanziellem Wert verlieren wird – egal, wie hochmodern sie zu ihrer Einführung gewesen ist. Selbst wer entsprechende finanzielle Mittel und den Willen hat, immer das Neueste zu besitzen, wird sich über dieses Thema Gedanken machen. Beleuchten wir mal ein paar Dinge, die an einer Kamera relevant sein können:

Ergonomie und Handling

Quelle: pixabay.com | Fotograf: kaboompics

Quelle: pixabay.com | Fotograf: kaboompics

Wie schon ansatzweise in den Erläuterungen zum Thema Sucher erwähnt, sollte die Ergonomie der Kamera ganz oben stehen. Mit einer Vollformatkamera für den professionellen Einsatz kann man, was dieses Thema betrifft, wenig falsch machen. Die zwei marktführenden Hersteller haben zwar sehr unterschiedliche Bedienkonzepte, die aber beide darauf ausgelegt sind, dass sich der Fotograf ganz auf das wichtigste konzentrieren kann – und das ist das Fotografieren selbst und nicht die Kamera. Praktisch angeordnete Knöpfe sollten die wichtigsten Funktionen leicht erreichbar machen, sodass das Aufrufen des Menüs nur selten nötig ist. Auch Doppelbelegungen von Tasten halte ich für sehr hinderlich und würde einer Mehrzahl an Schaltern, Knöpfen und Rädern dafür den Vorzug geben. Eine bei Einsteigerkameras häufig anzutreffende Doppelbelegung ist die Einstellung der Blende und der Verschlusszeit auf einem einzigen Rad. Hier gehen die Hersteller davon aus, dass der noch unerfahrene Anwender sowieso im Voll- oder Halbautomatikmodus fotografiert, wo jeweils nur einer der beiden Werte verstellt werden muss. Ist er dann einmal fortgeschritten, wird ihn diese Fummelei stören – ergo: neue Kamera. Dann doch lieber gleich eine, die Raum zur Entfaltung lässt. Ein beleuchtbares, zusätzliches Display auf der Kameraoberseite, zur Anzeige der wichtigsten Belichtungswerte und Einstellungen, kann sehr nützlich sein und ist nichts, was nicht auch eine ältere Kamera bieten könnte.

Die Kamera sollte gut in der Hand liegen und zur eigenen Physiognomie passen. Wer große, breite Hände hat, wird Probleme haben, eine winzige, federleichte Kamera zu bedienen und umgekehrt kann für jemanden mit kurzen Fingern so manches noch so durchdachte Bedienkonzept schlichtweg viel zu groß dimensioniert sein. Und gerade für letztere Gruppe könnten spiegellose Systemkameras, die übrigens inzwischen längst auch mit Vollformatsensoren erhältlich sind, eine gute Wahl sein. Hier hilft nur: in die Hand nehmen und ausprobieren.

Robustheit

Quelle: pixabay.com | Fotograf: TiBine

Quelle: pixabay.com | Fotograf: TiBine

Wie schon zum Thema Gebrauchtkauf erwähnt, sollte das Kameragehäuse unter der Plastikverkleidung aus einem widerstandsfähigen Metallskelett bestehen, sodass ein eventueller Sturz oder das Anschlagen an einem Stein keine Risse oder gar Löcher hinterlässt. Eine Abdichtung aller Knöpfe, Schalter, Räder und Anschlüsse gegen Staub und Spritzwasser ist unbedingt zu empfehlen, da Kameras ja zumeist draußen und auch bei schlechtem Wetter verwendet werden.

Auch ist zu bedenken, dass Touchscreen-Kameras bei einer Beschädigung des Displays eventuell völlig unbedienbar werden, wenn die Funktionen nicht noch zusätzlich durch Knöpfe und Schalter zu erreichen sind.

Abblendtaste

Quelle: pixabay.com | Fotograf: KreF

Quelle: pixabay.com | Fotograf: KreF

Unverzichtbar! Kaufe keine Kamera ohne diese Funktion, du wirst sie früher oder später brauchen und schwer vermissen, weil sie unersetzlich ist. Jedenfalls gilt das für herkömmliche Spiegelreflexsysteme mit optischem Sucher. Mit dieser Taste kannst du vor der Aufnahme die Auswirkung der Blende auf die Schärfentiefe testen. Ohne diese Funktion zeigt der Blick durch den Sucher immer nur die Wirkung der Offenblende und gibt keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Ausweitung der für die Belichtung eingestellten Blende.

Spiegelvorauslösung

Quelle: pixabay.com | Fotograf: Hans

Quelle: pixabay.com | Fotograf: Hans

Diese Funktion dient dazu, bei langen Belichtungszeiten Verwacklungen der Aufnahme durch die Schwingbewegung des Spiegels zu vermeiden. Dazu wird der Spiegel wenige Sekunden früher als normal vor dem Öffnen des Verschlusses hochgeklappt, damit die Vibrationen noch vor der Belichtung ausklingen können. Sollte jede Spiegelreflexkamera grundsätzlich haben. Spiegellose Kameras sind davon selbstverständlich nicht betroffen.

Wechselbare Mattscheiben

Quelle: pixabay.com | Fotograf: milivanily

Quelle: pixabay.com | Fotograf: milivanily

Für die Verwendung des manuellen Fokus kann es sehr vorteilhaft sein, die Standard-Mattscheibe des Suchers gegen eine speziell auf manuelle Fokussierung angepasste Scheibe (Schnittbildindikator) austauschen zu können. Vielleicht willst du mal ein älteres, manuelles Objektiv an deiner Kamera verwenden, weil es eine ganz besondere Charakteristik bietet oder einfach sehr preisgünstig zu haben war. Auch sind einige der modernen und für ihre Hochwertigkeit bekannten Zeiss-Linsen nur rein manuell fokussierbar. Die normale Mattscheibe von Autofokuskameras ist für exakte manuelle Fokussierung weniger geeignet.

Grundempfindlichkeit und kürzeste Verschlusszeit

Quelle: pixabay.com | Fotograf: 3305013

Quelle: pixabay.com | Fotograf: 3305013

Das ist insbesonders bei Nikon Kameras ein Thema, da etliche dieser Modelle erst bei einer Einstellung von ISO 200 beginnen. Es existiert zwar die Möglichkeit ISO 100 zu wählen, jedoch ist dieser Wert keine echte ISO 100 Belichtung, sondern eine kameraintern nachträglich dunkler gerechnete Aufnahme mit folglichen Einbußen im maximal darstellbaren Kontrast. Der Nachteil einer höheren Grundempfindlichkeit ist die Verwendung der Kamera bei viel Licht und großen, offenen Blenden (kleiner Blendenwert). Die benötige Verschlusszeit bei starkem Licht könnte kürzer sein, als die Kameraeinstellung zulässt. Bei Einsteiger- und auch semiprofessionellen Modellen beträgt der kürzeste Wert oft lediglich 1/4000s.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass in bestimmten Situationen selbst bei ISO 100 eine Belichtungszeit von 1/8000s von Nöten sein kann, um das Bild nicht überzubelichten. Im Gegensatz zur Unterbelichtung, lässt sich eine Überbelichtung in der Digitalfotografie nur sehr viel eingeschränkter retten. Das liegt daran, dass die Signale des Sensors zwar verstärkt werden können (unter Zunahme des Rauschens), sich jedoch nur wenig Rückschlüsse über das eigentlich korrekte Ladeverhältnis von vollständig  geladenen Pixeln ziehen lassen. Darum sollte man in der Digitalfotografie im Zweifelsfall eher auf die wichtigen Lichter belichten und das Restbild im Rohdatenformat nachträglich aufhellen, sofern es der Dynamikumfang des Sensors zulässt.

Videofunktion?

Quelle: pixabay.com | Fotograf: Skitterphoto

Quelle: pixabay.com | Fotograf: Skitterphoto

Fast jede moderne Kamera bietet die Möglichkeit, Filme in HD-Qualität aufzunehmen. Es gibt natürlich Unterschiede in der Videoauflösung und Bildwiederholrate, der Bildqualität (Kompression, Farbabstimmung, Schärfe, Kontrastumfang usw.) sowie was die Möglichkeiten zur Erweiterbarkeit betrifft (externes Mikrofon, Abfang der Video-Rohdaten). Bevor man sich intensiv mit diesem ganz eigenen, speziellen Gebiet des Filmens beschäftigt, sollte vor dem Kauf einer Kamera zunächst erstmal die Frage stehen, ob dies wirklich ein entscheidendes Kaufkriterium darstellt. Muss die Kamera kinoreife Filmqualität liefern oder tut es auch die normale HD-Auflösung bei 25 Bildern/Sekunde als zusätzliche, gelegentliche Option zur Hauptfunktion des Fotografierens?

Bildqualität allein macht noch keinen unterhaltsamen, beeindruckenden und berührenden Film. Kameraführung, Schnitt und Nachbearbeitung sind komplexe Themen, die gut beherrscht werden sollten, um die Verwendung und das Investieren in High-End Aufnahmetechniken zu rechtfertigen. Und vielleicht ist auch eine ältere, aber dafür sehr günstige, vollformatige Kamera ganz ohne Videofunktion eine Überlegung wert? Wer keine großen Ambitionen auf das Medium Film/Video legt, ist mit Handyvideoaufnahmen oder einem kleinen Camcorder vielleicht besser beraten und konzentriert sich ganz auf die reine Fotografie mit der professionellen Fotokamera.

Hohe Auflösung und ISO-Werte?

Quelle: pixabay.com | Fotograf: MichaelGaida

Quelle: pixabay.com | Fotograf: MichaelGaida

Ich bin wirklich kein Fortschrittsverweigerer, der sich vor neuen Entwicklungen verschließt und nur das Althergebrachte verteidigt. Neue Meldungen über Entwicklungen in der Fototechnik verfolge ich mit großem Interesse. Was die eigene Ausrüstung betrifft, versuche ich jedoch eher rational und mit gewissem Abstand vorzugehen. Das gilt nicht nur in Bezug auf die zweifellos überragenden Möglichkeiten der modernen Kamerasensoren sondern für alle technischen Geräte, die ich besitze. Rechner, Monitore, Speicher, Smartphone – nichts davon ist auf dem Top-Level der technischen Entwicklung, aber es genügt meinen Ansprüchen und funktioniert so, wie ich es brauche. Ich bin bestrebt, nur so viel wie nötig, nicht aber so viel möglich in solche Geräte zu investieren. Neue Produkte lösen in mir so gut wie nie ein „das muss ich unbedingt haben!“ Gefühl aus. Und deshalb kümmert es mich auch nicht – oder nur wenig, wenn ich gewisse Dinge nicht haben kann.

Es mag altklug klingen, aber dennoch sage ich mich immer wieder: es sind auch lange vor Live View, elektronischem Sucher, Gesichtserkennung, GPS, WiFi und klappbaren Displays beeindruckende Aufnahmen entstanden. Das muss doch heute auch noch ohne diese Hilfen möglich sein, oder nicht? Denn genau das sollte die technische Entwicklung meiner Meinung nach sein: ein „Nice to have“, aber kein zwingendes Kriterium, um überhaupt etwas hinzukriegen.

Um zum Thema der hohen ISO-Werte zu kommen:
Die Werbung möchte überspitzt formuliert das Bild vermitteln, dass eine hohe Low-Light Fähigkeit der Kamera absolut unabdingbar sei und wir, die Konsumenten, in Zukunft praktisch nur noch ohne Stativ im Halbfinstern fotografieren wollen. Klar, rauschfreie Sternenhimmelaufnahmen ohne Bewegungsspuren sind beeindruckend und erst durch moderne Sensoren mit exzellenter Signalverarbeitung und extrem hohen Empfindlichkeiten realisierbar – für nahezu jedermann machbar, der sich die entsprechende Kamera leisten kann oder will. Und genau das ist es auch, was dieser Sache wieder ihren Reiz nimmt: wir haben es schon oft gesehen, es ist nichts besonderes mehr; es ist weniger die fotografische Leistung und mehr eine Techniksache. Und so gut wie jeder weiß das.

Quelle: pixabay.com | Fotograf: skeeze

Quelle: pixabay.com | Fotograf: skeeze

Auch an dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich die neuen Möglichkeiten der Low-Light Fotografie und die rauscharmen Sensoren sehr beeindruckend und auch wirklich nützlich finde. Auf was ich hinaus will ist, dass es aber andere, weitaus wichtigere Dinge an einer Kamera und der Fotografie generell gibt, die man in seine Entscheidungen einbeziehen sollte. Gerade dann, wenn man kein Vermögen in die Ausrüstung investieren möchte.

Quelle: pixabay.com | Fotograf: Unsplash

Quelle: pixabay.com | Fotograf: Unsplash

Ein persönliches Beispiel

Als ich meine erste digitale Spiegelreflex kaufte, war ich so uninformiert, schlecht beraten aber auch ignorant, dass ich mich tatsächlich ausschließlich an den angespriesenen Datenwerten der Werbung orientierte und bald bemerkte, viel zu viel Geld für nutzlose „Gimmicks“ ausgegeben zu haben. Ein Freund bezahlte in etwa das gleiche für eine andere Kamera, die wesentlich niedrigere – also für mein damaliges Empfinden schlechtere – Werte vorwies. Wie ich nach anfänglichem völligen Unverständnis jedoch bald bemerkte, hatte er eine wesentlich wertigere Kamera erworben, die ihm ein echtes Werkzeug in die Hand gab, während meine teure Megapixelschleuder mit Klappdisplay und Live-View dagegen kaum mehr als ein Spielzeug war. Außerdem hatte ich dazu auch noch auf ein System gesetzt, welches zwar innovativ, aber derartig kurzlebig war, dass der Hersteller es heute schon längst mit einer anderen, nicht ohne weiteres kompatiblen Entwicklung ersetzt hat.

Objektivangebot

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Quelle: pixabay.com | Fotograf: Unsplash

Maßgeblich entscheidend für die Wahl der Kameramarke ist das Angebot an Objektiven verschiedenster Brennweiten, Bauarten und Preisklassen. Nicht nur vom Kamerahersteller selbst, sondern auch die Unterstützung durch Fremdhersteller, die teils nur Objektive und keine eigenen Kameras bauen (z.B. Tamron, Tokina). Denn hat man sich einmal auf eine Marke festgelegt und ein gewisses Sortiment an Objektiven in Besitz, ist ein Wechsel zu einem anderen Kamerahersteller mit großem Aufwand und sicher auch mit finanziellen Verlusten verbunden.

Auf gar keinen Fall sollte man sich mit einer unbedachten Herstellerwahl einen eventuellen späteren Umstieg auf ein größeres Sensorformat verbauen, wenn der gewählte Hersteller z.B. nie eine Vollformatkamera entwickelt hat und dies auch nicht ankündigt. Dann bleibt nur, weiter die APS-C oder Four Thirds Kamera zu verwenden oder das gesamte System zu tauschen, weil die Objektive speziell für kleinere Sensoren nicht, oder nur eingeschränkt an Vollformatkameras verwendet werden können. Auch hier gilt also, sich Luft für Entwicklung zu lassen.

Tendenziell würde ich auf lichtstarke Festbrennweiten statt Zoomobjektive mit großem Brennweitenbereich setzen. Festbrennweiten bieten das bessere Verhältnis von Qualität und Preis – natürlich nur bezogen auf eine Brennweite, was sie etwas unflexibel macht. Zooms mit durchgängig niedrigem Blendenwert (z.B. 2,8) sind vor allem für das Vollformat sehr teuer und kosten bis zu dreistellige Beträge. Beschränkt man sich im benötigten Brennweitenbereich stattdessen auf 2-3 lichtstarke Festbrennweiten, bekommt man für das gleiche oder weniger Geld eine höhere Abbildungsleistung. In fotografischen Situationen, die nicht absolut überraschend eintreten und in denen es nicht auf ständige Brennweitenwechsel ankommt, sind Festbrennweiten vorzuziehen. Letztendlich ist das aber auch eine Sache der Erfahrung und Übung, wie man seine Mittel einzusetzen weiß.

Quelle: pixabay.com | Fotograf: zhangliams

Quelle: pixabay.com | Fotograf: zhangliams


Ich hoffe, in diesen Beiträgen waren einige wissenswerte Dinge für dich dabei, sodass du beim anstehenden Kauf der neuen Fotoausrüstung ein sicheres Gefühl hast und letztendlich mit deinen Entscheidungen zufrieden bist. Viel Freude beim Fotografieren und gutes Licht.

Anmerkungen, Diskussionen, Fragen und Wissenswertes in den Kommentaren sind sehr willkommen! Was sind eure Erfahrungen mit Fototechnik? Was würdet ihr nie mehr hergeben und welchen Kauf bereut ihr vielleicht bis heute?

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