Gedanken, Natur und Leben
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Reinigung durch Klang

Zunächst eine Musikempfehlung:

„Eintritt in die Sphären“

Diese Musik lässt mich am Abend eines verstörenden Alltages wieder zurück zu mir und meiner Natur finden. All die schlechten Eindrücke, Gedankenwürmer, die belastenden Zwänge des sozialen Gegeneinanders sowie der geistige Abfall, der sich in den Hirnwindungen wie Schlamm festsetzt wird hinfortgefegt vom eisigen Schneesturm in unzivilisierten Höhen absoluter Einsamkeit. Filmreife Szenarien spielen sich vor meinem geistigen Auge ab: Eine Gestalt stapft monoton durch Schnee und Eis; ringsum umhüllendes Grau und die schwarze Silhouette einer Bergkette. Ausgezehrt, treibt nur noch der Wille voran. Die Eiskristalle peitschen ins Gesicht; die Wirklichkeit verzerrt sich. Immer weiter bergauf, Schritt um Schritt dem Gipfel entgegen. Hinter ihm leerer Abgrund; kein Zurück. Ein innerer Kampf, eine Flucht! Schattenhafte Wesen huschen; fremde Stimmen hauchen im Nebel; Sinne und Fantasie verschmelzen im Rausch. Doch dann zieht sich der Schmerz aus den Gliedern zurück, es wird wärmer; feine Melodien erklingen und die Wolken geben unter strahlendem Blau die Ferne frei. Blinzelnd tasten die Augen den Horizont ab. Schroffe Gebirgsrücken reihen sich aneinander. Es herrscht absolute Stille und Klarheit. Unten in der Gletscherspalte liegt ein regungsloser Körper. Es beginnt wieder zu schneien…

Die Stimme ist wie ein jähzorniger Aufschrei des inneren Selbst nach seiner Freiheit und Natur – gleichzeitig auch eine komprimierte Gefühlsäußerung und ein Ausdruck des unfassbaren Wahnsinns. Die orchestralen, sägenden Gitarren vertonen den Gewaltensturm des Schicksals dem wir unterworfen sind und gleichermaßen die Kräfte der Natur. Erhaben und thronend in ewiger Wiederkehr. eingebettet im Takt des Schlagzeugs geht die Reise jenseits von Zeit und Wirklichkeit. Durch die  bewusst rohe Abmischung tritt der selbe Effekt ein, den Nacht oder Nebel auf die Sinne haben: sie schärfen sich und werden dennoch von der Fantasie in die Irre geführt; die bald das eigene Unterbewusstsein auf die Außenwelt projiziert.

 

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O Täler weit, o Höhen,

O schöner, grüner Wald,

Du meiner Lust und Wehen

Andächt’ger Aufenthalt!

Da draußen, stets betrogen,

Saust die geschäft’ge Welt;

Schlag noch einmal die Bogen

Um mich, du grünes Zelt!

Joseph von Eichendorff

 

 

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