Kreation, Musik
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Musikalbum „Verflechtung“ veröffentlicht

Stell Dir vor, Du betrittst einen Wald – allein – und der Spaziergang führt statt der allmorgendlichen Runde nicht zurück nach Hause, sondern immer tiefer durch aufsteigenden Nebel, hohe Farne und alte, knorrige Bäume. Alles wirkt anders; unbekannte Pfade – hier bist du noch nie gewesen. Es ist nicht mehr derselbe, bekannte Wald; er hat sich gewandelt. Im Dunst verlor sich Schritt für Schritt die Wirklichkeit. Als sich der Schleier endlich lüftet, offenbart sich Dir ein fremdes Reich, völlig neben der Zeit. Nun bist Du Teil dieser Geschichte; die Dinge nehmen ihren Lauf…

Sonnenstrahlen im nebligen feuchten Wald Unterholz

Dies ist die Einleitung für „Verflechtung“, meine musikalisch, dichterische Fantasiegeschichte in zwölf Titeln. Jedes Stück vertont einen Abschnitt im Geschehen und hat einen zugehörigen Begleittext, der dem Kopfkino Anhaltspunkte gibt, denn die Lieder verzichten auf Gesang. Zusätzlich ist jedem Titel ein eigenes Coverfoto zugeordnet, um die Geschichte visuell zu untermalen.

Als Inspiration dienten mir  persönliche Eindrücke, Ereignisse und Erfahrungen – vor allem aber auch die Landschaft des Elbsandsteingebirges als Vorlage zum Schauplatz des „Zeitlosen Stammes“, dessen „Festung im Wald“ (Titel Nr. 2) im Prinzip ein zur Wehrburg ausgebauter, freistehender Sandsteinfelsen ist. Dass dies gar nicht so weit hergeholt ist, zeigen beispielsweise die Mauerreste und Funde am Felsen „Hinteres Raubschloss/Winterstein“ in der Sächsischen Schweiz (Kleiner Zschand).

Mein Anspruch war, ein abwechslungsreiches Album mit lebhaften Titeln zu kreieren, die die Fantasie anregen und Emotionen wecken. Das digitale Komponieren war für mich Lautmalerei mittels Gespür und Inspiration. Das Album ist auf Bandcamp gehostet, kann dort angehört und auch als Download erworben werden.

Nun genug erzählt, hier die Titel mit den dazugehörigen Begleittexten. Nimm Dir die Zeit, ich lade Dich ein ins Land der Fantasie, folge mir in den Wald…

01 – Geheimnis hinterm Nebel

Weißes Pferd im Morgenschleier
Sanfte Schritte auf weichem Moos
Feucht-würzige Luft.

Früher Ritt durch alten Forst
Heute nahm sie andre Wege
Warum scheint der Wald so fremd?

Nebel in den Baumkronen
Morgentau auf Flechten und Farnen
Ungewiss und trügerisch der Pfad.

Ein Vogel flieht hinauf
Glitzernde Strahlen
Glühender Dunst
Umhüllen ihren Leib.

Sinkende Schwaden, freie Sicht
Eine Festung über den Kronen
Gewachsen die Mauern
Mit Schluchten und Zinnen.

Ein Horn erschallt
Der Atem stockt
Der Schimmel scharrt die Hufe.

02 – Die Festung im Wald

Rauhe Männer, martialisch anmutend
Sie tragen schwere Waffen
Mit Ruß bemalte Gesichter
Die Bärte rot und lang.

Aus allen Winkeln
Schreiten sie herbei
Ihre Augen bohrend
Fragende Blicke.

Umkreist von Kriegern
Die Stimmen jedoch sanft
Besuch, gar königlich
Die Weissagung des Alten.

Austausch edler Gesten
Anmut und Ehre
Sitte kennt der wilde Stamm.

Hölzerne Stiegen im klammen Fels
Es tropft aus allen Ritzen
Über leuchtende Flechten.

Das Geleit führt sie hinauf
Über Tausend Stufen
Rege Arbeit, wenig Worte
Auf allen Etagen.

Ringsum ein Wehrgang
Hämmern und Klopfen
Die einen tragen Holz
Andere ihre Bögen.

Kühn der Blick
Ein sanftes Lächeln
Kleidung rot getränkt
Fest umgriffen
Das erlegte Tier.

Wer ist der eilig Wilde?

Kiefern, Birken krumm
Klammern sich am Rande
Heide säumt die Wege
Oben weht der Wind.

Höher als der Turm daheim
Ragt der Fels im Blättermeer
Über allen andern Graten.

Träge Wolken in den Tälern
Der Himmel nur ein graues Tuch
Der Tag schlich fort
Es dämmert und wird kühl.

Diese eine Brücke noch
Führt zur hintren Klause
Wo der Weise wartet.

03 – Der Stammessohn

Vom Jagdzug im Wald
Die Beute auf der Schulter
Heimkehr zum Fels
Am Speer erkaltetes Blut.

Über Leitern und Stege
Hoch auf das Plateau 
Führen tausend Treppen.

Junge Beine
Schnelle Schritte
Kraftvoll und kühn.

Bloß nicht rasten
Es pocht das Herz
Es schmerzt die Brust.

In der Hast fast überrannt
Edle Anmut, fremde Schöne
Verzeih‘ mir meinen Übermut.

So weich die Knie
Tapfrer Jäger
Schneller Läufer
Diese Begegnung
Was hat sie zu bedeuten?

Kann nicht warten
Nicht mehr denken
Oben zünden schon die Feuer.

Wie sie strahlte
Wie sie glänzte
Antlitz liebster Wärme.

Gewagter Blick
Nur noch ein Mal
Er sieht nach unten
Wo sie schreitet
Im Geleit.

04 – Das Jagdfest

Die Flammen lodern
Hoch auf dem Felsen
Funken sprühen
Sternenklare, dunkle Nacht.

Hörner schallen, klirren
Füllen sich mit süßem Trank
Heiterkeit und lose Zunge
Tanz im lock’ren Gewand.

Nüchtern der Stammesführer
Wasser für den Weisen
Der Appetit versagt
Trotz der üppig Speisen.

Über frohem Volke
Braut sich dunkles Los.

05 – Die Liebenden

Dein Wald, der Fels
Dies seltsame Reich
So fern, so nah
Unergründlicher Zauber.

Komm mit mir
Zurück ins Schloß
Zum edlen König
Zweifel Geplagten
Der die Tochter misst.

Vater wird es dulden
Liegt ihm doch viel
An meinem Wohl.

Liebste, ich führe uns
Noch in dieser Nacht
Im letzten Glimmen
Ich kenne die Wege
Verworrne, Verzweigte

Schon oft gewagt
Das Reich der Deinen
Zu Erkunden, Auszuspähn
Nie hielt’s mich dort
Sieh‘ der Mond, er weiß:
Mein Leben und Wirken
Hat eine neue Bedeutung.

06 – Tanz im Ballsaal

Ein Jahr vergangen
Am Königshof
Kultur und Frieden.

Rang erworben
Sohn des Waldes
Vortrefflich‘ Jäger
Gunst des Vaters
Ward ihm zuteil.

Schmucke Roben
Aus feinstem Garn
Weißer Marmorboden.

Schwerer Leuchter
Strahlend Glanz
Aus Tausend Kerzen.

Warme Schwere
Süßlich rot
Sinne wie benommen.

Zarte Finger
Saiten schwingen
Lieblich Klang
Und Hochgenuß.

Sittlich Spiel
Und doch Verlangen
Zähmend, fordernd
Nah zu sein.

07 – Das Imperium

Der Stamm ahnte
Der Weise wusste
Ebenso der König
Von drohend‘ Unheil
Jenseits der Grenzen.

Eiserne Bauten
Wie Grabmale
Auf den Trümmern
Einst Glorreicher.

Nicht mit Schwertern
Nicht mit Bögen
Nicht mit Blut
Erstrittenes Land.

Rußige Türme
Schwelende Feuer
Braune Flüsse
Der Himmel rot.

Nichts Grünes wächst
Keine Quelle fließt
Auf versiegelter Erde
Wandelnder Wahn.

Das Licht der Sterne
Botschaft am Gestirn
Verborgen im Schleier
Nebel im Geiste.

08 – Abschied

Kann nicht warten
Bis man mich bittet
Tief stehe ich
In des Königs Schuld.

Keinem fehlts an Mut
Fern fortzugehen
Ungeseh’n zu reiten
Jedoch ist mein Talent.

Nur als Späher
Nicht als Krieger
Reit‘ ich aus
Hinter die Grenzen.

Einen Mond nur
Wirst du warten
Meine Reise
Dienst am Reich.

Unsrer beider Bund
Geduldet am Hofe
Noch nicht besiegelt
Des Königs Segen.

Was bleibt mir
Außer Hoffen, Bangen
Gewiss, einen Feigling
Hätt‘ ich nie gewählt.

Düstrer Geschichten
Erinnere ich mich
Aus Vaters Munde
Als Mutter ging.

Sie schlagen nicht tot
Heben nicht das Schwert
Entführung, Verlockung
Schwacher Wille.

Bleib dir treu
Mein Zeitloser
Wer solls vollbringen
Wenn nicht du.

Mit dem Wald im Blut
Nebelzauber auch
Deine liebe Frau
Glaubt an Dich.

09 – Ritt durch fremdes Land

Hufen fliegen
Haare wehen
Hurtig Reise
Hastig Ritt.

Windig Rauschen
Schnaubend Roß
Wilde Wirbel
Warmes Laub.

Wandernd Wolken
Wallend Watte
Wogend Wellen
Weite Welten.

Fliehend Erde
Fordernd Reise
Vage Wege
Ewig‘ Weite.

Stumme Zunge
Zagend Stimme
Scharfe Augen
Stierend Schauen.

Euphorisch Eifer
Reifer Recke
Reger Reiter
Edlem Zwecke.

Antlitz Fremder
Freudig Empfang
Würzig Speise
Scharfer Trank.

Komische Klänge
Choraler Gesang
Fangende Enge
Kosmischer Bann.

10 – Die Metropole

Zahlreich Menschen
Ziellos Masse
Zirkusaffen
Müde, matt.

Ruhe nirgends
Niemals Schweigen
Räder rollen
Schwarzer Rauch.

Glühend Schein
Gelber Dunst
Schergen, dunkel
Düstres Schauen.

Leben satt
Leeres Siechen
Matte Schalen
Saft versiegt.

Vergnügend Fülle
Falsche Fragen
Schwelend Süchte
Sehnsucht schwer.

Körper, Spiele
Scherbenhöhle
Reibungsrot
Und Wutverbrannt.

11 – Winterlied

Schwarzgespinste
Schneegestöber
Ewig Grau
Der Aschehimmel.

Weiß verweht
Vergang’ne Wege
Eis’ge Spuren
Winterzeit.

Hinterm Fenster
Kühler Hallen
Heimlich Flehen
Heiße Tränen.

Gedanken zittern
Zage Zuversicht
Versage nicht
Mein Herz.

Hoffnungschimmer
Glimmend Sterne
Glänzend Schweif
Ferner Gestirne.

Helle Boten
Heilig Bünde
Bitte, eilet
Bringet Kunde.

12 – Ein neuer Morgen

Fahles Licht
Flutet Saal
Fenster frostig
Eiskristalle.

Wintersonne
Weiche Strahlen
Frisches Strömen
Ferner Winde.

Rückkehr raunend
Hauchend Ahnung
Reges Atmen
Himmelssprache.

Frühgesänge
Kahler Sträucher
Federkleider
Freudig Winken.

Lieblich Lieder
Schneekönig Sang
Zuspruch zwitschernd
Zierlich Zaungast.

 

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