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Erfahrungsbericht „Peak Design Capture“

Bedarf

Für die knapp zweiwöchige Trekkingtour durch den Rondane Nationalpark in Norwegen ( Fotosammlung hier) suchte ich ein Haltesystem um die Kamera immer griffbereit am Körper tragen zu können. Auf vorangegangenen Touren hatte ich dies mittels Karabiner gelöst, jedoch störte das Baumeln der Kamera beim Wandern.

bisherige Lösung: Kamera mittels Karabiner am Hüftgurt befestigt

Da ich mittlerweile auf ein Vollformatsystem umgestiegen bin, hat sich nun auch das Gewicht der Fotoausrüstung erhöht, sodass eine professionelle Lösung her musste. Wichtig war auch, die Objektive schneller und sicherer wechseln zu können und auf keinen Fall mehr auf ein Motiv zu verzichten, nur weil die benötigte Brennweite gerade im Rucksack verstaut ist.

Eine Fototasche kam nicht in Frage, da ich plante, Kamerabody + 3 Objektive mitzunehmen. Ich hätte mindestens zwei große Taschen irgendwie am Hüftgurt des Rucksacks befestigen müssen, was die Bewegungsfreiheit ziemlich eingeschränkt hätte.

Über eine persönliche Empfehlung wurde ich auf das ‚Capture Pro‘-System der Firma Peak Design aufmerksam gemacht. Deren Werbung verspricht ein stabiles, sicheres und langlebiges Haltesystem für alle Kamerasysteme mit einfacher Handhabung. Außerdem ist mit ‚Capture Lens‘ auch eine Halterung für Objektive für Canon, Nikon oder Sony erhältlich.

Ich bestellte also das das Kamera- und das Objektivhaltesystem.

Lieferumfang

Capture Pro beinhaltet eine Gurthalterung, eine Halteplatte für die Kamera, zwei Innensechskantschlüssel und ein schwarzes Transportsäckchen aus Nylon. Außerdem sind zwei kleine Teile enthalten, mit denen sich die Halteplatte für die Verwendung mit bestimmten Stativköpfen anpassen lässt. Dazu später mehr.

Capture Pro (Abbildung ohne Stativadaptionszubehör)

Das Capture Lens System besteht wieder aus der gleichen und damit kompatiblen Gurthalterung wie die des Capture Pro, sowie eines Tubus, der an beiden Enden ein Objektiv aufnehmen kann. Dazu gehören zwei Abdeckkappen und zwei Halteschlaufen. Ein Transportsäckchen ist ebenfalls wieder dabei.

Capture Lens

Funktionen

Die Halteplatte von Capture Pro ist quadratisch gestaltet, sodass die Kamera in vier Richtungen eingerastet werden kann. Am sinnvollsten ist es aber, sie mit dem Objektiv nach unten zeigend zu tragen. Für Objektivwechsel kann es aber hilfreich sein, die Kamera so einzurasten, dass das Objektiv horizontal zum Körper steht. So hat man das Bajonett und dessen Markierungen im Blick und kann das Objektiv leichter ansetzen.

Flexibilität durch quadratische Grundplatte

Die Gurthalterung von Capture Pro bietet auf der Unterseite ein von der Kamera gewohntes Stativgewinde. Damit ist es möglich, das System auf ein geeignetes Stativ anzubringen, ohne die Capture-Halteplatte von der Kamera lösen zu müssen. Dies ist aber eher für kleine, leichte Kameras interessant, da schwerere Systeme eher an Stativen mit Stativkopf verwendet werden.

Stativgewinde am Capture Pro Gurthalter

Der rote Entriegelungsknopf kann zum Schutz vor versehentlichem Drücken mittels Drehung um 90° festgestellt werden.

Mit zwei Feststellschrauben lässt sich Capture Pro an Gurten von bis zu 6,5 cm Breite befestigen. Die Gurte können dabei auch etwas stärker sein, da die Gewinde ca. 1 cm tief sind. Bei Bedarf können an zwei Ösen Schlingen für weitere Ausrüstung befestigt werden.

Capture Lens verfügt ebenfalls über eine quadratische Halteplatte, jedoch kann die Bajonetteinheit auch ohne Abnehmen gedreht werden. Dazu muss die Einheit kurz gezogen werden. Dann lässt sie sich in vier Positionen wieder einrasten. Dies erleichtert den Objektivwechsel ungemein.

Auch Capture Lens bietet Ösen, um mittels Schlaufen weitere Ausrüstung anzuhängen.

Montage

Die Befestigung an einem Gurt gelingt mittels der beiden Feststellschrauben einfach und sicher. Bei straff anliegenden Gurten muss eine Schraube gegebenenfalls ganz herausgedreht werden, um den unteren Teil der Aufnahme unter den Gurt schieben zu können. Das ist aber schnell erledigt.

Die Halteplatte wird ganz normal in das Sativgewinde an der Kamera geschraubt. Dafür liegt ein Inbusschlüssel bei.

Mit einer Stellschraube kann das Spiel zwischen Führungsnut und Halteplatte angepasst werden. Geklemmt wird dadurch aber nichts; durch Drücken des roten Entriegelungsknopfes ist die Kamera immer leicht lösbar.

links die Feststellschraube zur Justierung des Spiels in der Führungsnut

Verarbeitung

Die Führungsnut sowie die Kamerahalteplatte von Capture Pro sind aus Aluminium gefertigt. Auch die Stellschrauben sind aus Metall. Im Gegensatz zur auf den ersten Blick identischen Gurthalterung von Capture Lens, ist die Unterseite bei Capture Pro auch aus Alu und nicht aus Kunststoff.

verschiedene Unterseiten der Gurthalterungen von Capture Lens (oben, Kunststoff) und Capture Pro (unten, Alu)

Der Grund dafür ist, dass Capture Pro auch auf ein Stativ geschraubt werden kann und daher mehr Stabilität benötigt. Lediglich die aus Kunststoff gefertigte Verriegelungs-„Nase“, welche in die Alu-Halteplatte an der Kamera einrastet, macht mich hinsichtlich der Haltbarkeit etwas skeptisch. Dieses Bauteil sorgt allein dafür, dass die Kamera nicht aus der Nut rutschen kann. Für einen rundum hochwertigen Eindruck hätte es meiner Meinung nach ebenfalls aus Aluminium gefertigt werden sollen.

Verriegelungsschieber aus Kunststoff

Capture Lens besteht überwiegend aus Kunststoff – auch der drehbare Haltesockel ist im Gegensatz zu Capture Pro nicht aus Alumium. Da das Objektivhaltesystem im Einsatz aber nicht so häufig wie die Kamera aus der Halterung gelöst werden muss, sehe ich in der Materialwahl kein so großes Problem. Trotzdem: gäbe es eine Variante aus Aluminium, hätte ich den Aufpreis dafür bezahlt. Der Zusatz „Pro“ im „Capture Pro“ Kamerahaltesystem steht übrigens für die Abgrenzung zur billigeren Kunststoffvariante.

Der verschleißintensivste Teil von Capture Lens – die beiden Bajonettanschlüsse – sind aber, wie man es von der Kamera kennt, aus Metall hergestellt.

Trekking-Test

Wie hat sich das Capture-System im zweiwöchigen Dauereinsatz bewährt? Gleich vorweg kann ich sagen, dass sich der Kauf für mich absolut gelohnt hat. Nie habe ich auf einer Tour so unkompliziert und so intensiv fotografiert. Kein Abwägen ob es sich lohnt, für dieses oder jenes Motiv das Objektiv zu wechseln. Mit wenigen Handgriffen habe ich es einfach gemacht – sogar im Gehen!

Auch in schwierigem Gelände, wie Geröllblockfelder in großer Höhe, behinderten weder die zwei ständig am Capture Lens befestigten Objektive, noch die große Vollformatkamera die nötige Bewegungsfreiheit.

Die Kamera war sofort zur Hand, wenn sich innerhalb weniger Sekunden das Licht zum Besseren wandelte. Ebenso schnell war sie wieder sicher am Körper fixiert, sodass ich beim Wandern nicht all zu weit hinter den anderen zurück fiel.

Gerade beim aktiven Wandern sollte der Entriegelungsknopf nach Gebrauch immer sofort wieder gegen unbeabsichtigtes Drücken gesichert werden. Als kleinen Kritikpunkt bringe ich an, dass die nötige Drehbewegung zum Verriegeln ein bisschen fummelig ist. Der Knopf könnte griffiger sein, sodass er sich auch mit (dünnen) Handschuhen oder klammen Fingern noch einfach drehen lässt.

Beim Einrasten der Kamera achtete ich immer bewusst auf das Klickgeräusch und vergewisserte mich durch kurzes Ziehen an der Kamera zusätzlich vom Halt. Außerdem hatte ich die Handschlaufe der Kamera in den Brustgurt des Rucksacks eingehangen. Dies waren jedoch reine Vorsichtsmaßnahmen. Die Capture Systeme hielten die schwere Ausrüstung immer sicher fest.

Die Knöpfe am Capture Lens benötigen hingegen keine Verriegelung, weil zum Lösen der Ojektive in gewohnter Weise zusätzlich eine Drehbewegung nötig ist – wie am Kamerabajonett. Außerdem sind die Knöpfe flach gestaltet und befinden sich aufgrund der Größe von Capture Lens weit genug vom Körper entfernt.

Bei Regen zog ich jeweils eine große Gefriertüte über Kamera und Objektive. Das war die schnellste und einfachste Lösung, ohne die Ausrüstung wegpacken zu müssen. Wir hatten allerdings auch das große Glück, in den ganzen zwei Wochen keinen Dauerregen aushalten zu müssen.

Stativverwendung

Mithilfe zwei kleiner Alu-Leisten, die im Lieferumfang enthalten sind, lässt sich die Halteplatte von Capture Pro verbreitern, um sie auf Stativköpfen zu verwenden, deren Aufnahme zu groß ist. Dies war bei meinem Kugelkopf Manfrotto 484RC2 der Fall. Nach Montage der Leisten kann ich nun die Capture Pro Halteplatte immer an der Kamera befestigt lassen und auf dem Stativ oder an der Capture Gurthalterung verwenden.

Einziger Nachteil: durch die Montage der Leisten ist die Halteplatte nicht mehr quadratisch, sodass sie nur noch in 2, statt ursprünglich 4 Richtungen in die Gurthalterung eingerastet werden kann.

Eine Liste zum Capture Pro System kompatibler Stativköpfe gibt es hier: https://support.peakdesign.com/hc/en-us/articles/202143695-What-types-of-Manfrotto-tripods-does-CapturePRO-work-with-

Garantie

Peak Design gibt für jedes seiner Produkte lebenslange Garantie auf Fehlfunktionen und Defekte. Geht ein Peak Design Produkt kaputt, verspricht der Hersteller, das Produkt ohne Diskussion zu reparieren oder gegen ein funktionstüchtiges Teil gleicher – oder besserer Kondition zu tauschen.
https://www.peakdesign.com/warranty/

Fazit

Mein Fazit ist, dass man ruhigen Gewissens seine hochwertige Ausrüstung den Capture Pro und Capture Lens System anvertrauen kann. Die Handhabung ist unkompliziert und frustfrei. In meinem zweiwöchigen Trekking-Intensiveinsatz haben sich beide Produkte als sehr praktisch, zuverlässig und sicher erwiesen. Gerade auch für diesen Einsatzzweck kam mir die Kompaktheit und das geringe Gewicht sehr entgegen.

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