Reise 2016, Trekking
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I. Der Weg nach Svukuriset

Das knirschende Geräusch von schweren Reifen auf Kieselsteinen; dann ein Zischen. Ein letztes Rütteln durchfuhr das Gefährt und der Motor verstummte. Drei Stunden durch schier endlose Fichtenwälder, vorbei an unzähligen Seen und winzigen Ortschaften. Die roten Holzhäuser wieder; mit ihren weißen Fensterrahmen und freundlichen „Välkommen“ Begrüßungsschildern. Es war wundervoll, zurückzukommen.

Wie aus einer Raumkapsel entstieg ich dem Reisebus in eine ferne Welt, die sich vom ersten Moment an wieder vertraut anfühlte. Frisch war es hier – kälter als erwartet. Ich war der letzte verbleibende Fahrgast und mein roter Rucksack das einzige Gepäckstück im Laderaum.

Mein Rucksack und ich wieder hier.

ein Rucksack hängt an einer Waage

Rucksack wiegen an der Fjällstation Grövelsjön in Schweden

Allein an jenem Ort, wo mir vor drei Jahren die Endlichkeit einer bis dahin ungekannten Freiheit ins Bewusstsein rückte. Damals, da oben auf der Anhöhe, direkt neben einem stillen Gebirgsbächlein, stand das Zelt. Wir blickten hinunter ins Tal auf diesen See, der silbern im Gegenlicht der Sonne glänzte. Dahinter eine Bergkette – eine von vielen in dieser unwirklichen Weite und Ruhe.

Aus dem Augenlicht hinaus greift die Seele des Entdeckers, des Suchenden – hin zum Horizont tastend. Was mag dort verborgen sein?

Im ruhigen Gewissen, mit nur knapp 23 Kilogramm Gewicht alles Nötige auf dem Rücken zu tragen, verließ ich den Vorplatz der Fjällstation Grövelsjön. Es waren die ersten Schritte einer Wanderung von ungenauer Länge und zahlreichen anderen Ungewissheiten. Wie habe ich daheim Stunden über den Karten verbracht; geplant und abgewägt und versucht, das Gelände und die Entfernungen einzuschätzen. Alles vergangene Theorie – nun war ich endlich hier. All die Gedanken, all die Sehnsucht und das Fernweh wandelten sich Schritt für Schritt zur Realität. Ich konnte anfangs nur schwer fassen, was ich bereits jetzt hinter mir gelassen hatte. Es war keine Abreise in den Urlaub. Ich fuhr in eine neue, ungewisse Zukunft. Und genau diese scharfe Abtrennung war mir notwendig, um das zu leben und zu erfahren, was mich seit der Wanderung des Südlichen Kungsleden nicht mehr losließ.

Ein Gartenzwerg auf einem Ast mit einer Angelrute

Gartenzwerg mit Angel an der Fjällstation Grövelsjön in Schweden

Gehen zu können, wohin man will; kein Rückreiseticket zu haben; morgens nicht zu wissen, an welchem Ort man heute schlafen wird; dabei auf sich allein gestellt zu sein; alles auf eigene Verantwortung zu nehmen; sich mit sich selbst zu beratschlagen und Entscheidungen zu treffen. Routen planen und vorankommen. Suchen, Entdecken und Umwege gehen. Alltägliche, oft nebensächliche Dinge rücken in den Fokus und werden zu Tagesaufgaben, die bewältigt werden müssen. All das sollte mich nun erwarten; für mehrere Wochen. So fern die Zeit, so undenkbar. Es schien, wie für immer.

Grünes Zelt vor Birken

Das Ultraleicht-Zelt in einem Birkenwald

Es war bereits Abend; der See rasch erreicht und das Zelt in altgewohnter Manier aufgebaut und ein Abendessen auf dem Holzfeuer-Kocher zubereitet. Eben wie das normalste der Welt. Ich war sofort wieder mittendrin in den Abläufen; wenn auch noch nicht vollkommen mit Bewusstsein und Geist in diesem anderen Leben angekommen. Denn genau das war es, worum es mir dabei ging: hier auf meine Art und mit den Aspekten des Wanderns zu – leben.

Wanderer mit Kocher vor grünem Zelt

Kochen mit dem Holzvergaser-Hobo

Die innere Stimme sprach: „Hier werde ich jetzt leben. Für eine ganze Weile.“

Tasse mit Essen in einem Zelt

Selbst zusammengestellte Trekkingnahrung zum Abendessen

Die Dinge die ich bei mir hatte, meine Ausrüstung und die Verpflegung also, bekamen einen unschätzbaren Wert. Das Zelt mein tragbares Haus, der Schlafsack mein Bett, der Kocher meine Küche und nicht zuletzt die Kamera – nicht nur für die Fotos an sich, sondern auch als Motivation für schlechte Tage. Um weiterzugehen und nicht den Mut zu verlieren. Mit einer Woche Regenfotos will man ja nicht zurückkehren müssen; also zusammenreißen und auf Besseres hoffen. Dafür waren auch die gesteckten Zwischenziele gut. Allesamt besondere Orte, die zu entdecken sehr spannend sein würde.

Ruderboote am Ufer eines Sees

Ruderboote am Ufer des Grövelsjön in Schweden

Die erste Nacht im Freien war nichts ungewöhnliches oder befremdliches. Ich schlief ruhig und fühlte mich sicher. Ganz allein war ich hier nicht; am Ufer lagen Ruderboote und auf der gegenüberliegenden Seite hatte eine Wandergruppe ihre Zelte aufgeschlagen. Eine friedliche Stille lag über diesem Ort und rot glühende Wolken am Abend ließen auf einen sonnigen nächsten Tag hoffen.

Abendrot und ein grünes Zelt

Abendrot am See Grövelsjön in Schweden

Wie selbstverständlich füllte ich meine Flaschen mit dem kalten Wasser des Sees und trank. Unbehandeltes Wasser direkt aus der Natur zu trinken, ist wie eine Verbindung zu schaffen, zwischen sich selbst und dem Ort. Man erfüllt sich ganz damit – man wird ein Teil der Landschaft. Schließlich bestehen wir selbst zu einem Großteil aus Wasser. Es überflog in Wolken die Welt, es sickerte durch Felsen, sprudelte die Berge hinab, formt sich mal zu starrem Eis, schmilzt dahin und sammelt sich in tiefen Tälern. Und nun durchströmte es mich.

Hängebrücke

Hängebrücke über dem Abfluß des Sees Grövelsjön

Der Morgen; die Bergkuppen hüllten sich in graue Nebelkleider. Fahles Licht und trübe Stimmung ließen noch keinen heißen Sommertag erwarten. Doch schon bald – nachdem alles wieder verpackt und der Rucksack aufgesetzt war – verflog das Grau und gab den Blick frei auf diese phantastische Bergwelt, die vor mir lag. Rasch erwärmte sich der trockene Boden und die Luft roch wieder genau so wie damals. Überall erkannte ich die Erinnerungen: in den blühenden Blumen, im Heidekraut und den krummen Kiefern. In den runden, kahlen Bergkuppen und ihren matten Grün- und Brauntönen. Im verspielten Plätschern eines Baches, der sich hinab wand, dann ein auffliegender Vogel, das Summen umherschwirrender Insekten und natürlich der freie Blick in die weite Ferne. Unter mir ruhte der See, dessen sanftes Wellenspiel die Sonnenstrahlen glitzernd zurückwarf. Ich war noch nicht weit bergauf gegangen, da rang ich überwältigt um Fassung und war erfüllt von tiefstem Glück und einem brennenden Drang. Ich war zurückgekehrt!

Wegweiser vor einem Wald
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Das Salsfjellet bei Grövelsjön

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Und dennoch hatte ich noch die Rolle eines Betrachters inne, es sollte gut zwei Wochen dauern, ehe sich Körper und Geist – sofern man das trennen mag – im vollen Maße in dieses neue Leben eingefügen würden. So schnell uns moderne Verkehrsmittel auch an beinahe jeden Ort der Erde bringen können – wir selbst brauchen unsere Zeit um anzukommen.

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Bald verschwamm die Luft in der Ferne in flirrender Hitze. Die skandinavische Bergwelt ähnelt im Hochsommer manchmal einer afrikanischen Savanne; nur eben ohne Elefanten und Giraffen. Dieses Mal hatte ich mich glücklicherweise mit genügend Sonnencreme eingedeckt, auch wenn mich diese weiße Paste im Gesicht wie ein Clown aussehen ließ. Ich traf ohnehin auf nur wenige Wanderer.

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Schöne Spiegelung, aber besser nicht ungefiltert aus solch kleinen, stehenden Gewässern trinken

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Am Horizont die Bergwelt des Femundsmarka Nationalpark in Norwegen

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Rote ‚T‘-Markierungen des Norwegischen Touristenvereins weisen den Weg

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Der Weg führte von der schwedischen Fjällstation Grövelsjön über die Grenze in den norwegischen Nationalpark Femundsmarka zur 24 Kilometer entfernten Übernachtungshütte ‚Svukuriset‘ am Fuße des zweithöchsten Berges am Femundsee: dem Stor Svuku (1416 m ü. NN). Ich entschied mich aufgrund der guten Wetterlage spontan für die Bergroute. Nach dem Durchqueren einer weitläufigen Talebene mit zwei Flüssen, folgte ein steiler Anstieg auf den ‚Forborgen‘, dem höchsten Punkt dieser Tagesetappe. Die Mittagshitze brannte erbarmungslos, ich schwitzte und fühlte mich erschöpft. Oben angekommen entschädigte jedoch eine fantastische Aussicht.

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Gipfel des Forborgen

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Blick in den Femundsmarka Nationalpark auf den See Revlingsjøan

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Weit, weit ist das Land…

Alternativ wäre es auch möglich gewesen, entlang des Sees Grövelsjön und durch ein bewaldetes Tal zu gehen. Schon an diesem ersten Tag traf ich auf ein Rentier, welches auf einem letzten Rest Schnee im Schatten eines Hanges nach Futter suchte.

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Rentier auf einem Schneefeld

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Eine häufig vorkommende Schmetterlingsart im Femundsmarka – Name ist mir unbekannt.

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Das besondere in diesen Breitengraden ist die niedrige Baumgrenze, sodass man sich durchaus für Tage in diesem Grenzgebiet zwischen niedrigen Wäldern aus kurzen, schiefen Birken und dem sogenannten Kahlfjäll bewegen kann. Immer wieder erreicht man oasengleiche, grüne Flecken, die von mäandernden Bächen durchzogen sind. Gegen Ende des ersten Wandertages fand ich sogar einen solchen, der stellenweise im Boden versickerte und an anderer Stelle wieder hervorquoll. Ein kleiner Vorgeschmack auf ein entferntes Ziel im Norden: dem Karstgebiet des Bjurälven. Aber das lag noch in undenkbarer Ferne.

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Teich mit unterirdischem Abfluss in einem Karstgebiet

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Versickernder Bach in einem Karstgebiet

Auch wenn das Zelt nun erst zum zweiten Mal stand, fühlten sich die Abläufe an diesem Abend schon so vertraut an, als sei ich schon eine Woche unterwegs. Immerhin lagen auch bereits 18 Kilometer hinter mir, was für den allerersten Wandertag mit gefüllten Vorräten im Rucksack schon recht weit war, wie ich fand. Zumal mir dazu nur meine Grundkondition verhalf, denn so richtig sportlich vorbereitet hatte ich mich nicht und beim Aufbau des Zeltes spürte ich die Erschöpfung und bemerkte auch leichten Schwindel. Aber der Körper würde sich schon anpassen und bald besser mit der täglichen Belastung zurechtkommen.

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Ein umherstreifendes Rentier schaute aus sicherer Entfernung nach, ob hier denn alles mit rechten Dingen zuging. Diese neugierigen Gesellen leben in großen, aber dennoch umzäunten Weidegebieten und man könnte fast glauben, dass es sich um Wildtiere handelt, so wie sie durch Kahlfjäll, Baumgrenze und auch dichte Wälder ziehen. Tatsächlich aber gibt es keine wildlebenden Rentiere mehr; sie sind alle sogenannte ‚Nutztiere‘ und werden von einem Teil der samischen Bevölkerung gehalten, die von Rentierzucht lebt. Die Tiere sind zwar nicht zutraulich – sie fliehen, sobald ein Mensch ihnen zu nahe kommt – aber lustigerweise scheinen sie von einem ständigen Wechsel zwischen Neugierde und Scheu beherrscht zu sein. Unterstrichen wird dies noch von ihrem tapsig anmutenden Lauf und der dabei weit nach oben gestreckten Kopfhaltung. Ab und an lässt sich auch im Hochsommer ein weißes Exemplar entdecken, welches dann unter Umständen etwas gerupft aussieht, da sich sein Fellwechsel wohl etwas verzögert hatte.

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Wäsche trocknen

Meine Proviantversorgung war dieses Mal wesentlich ausgeklügelter und abwechslungsreicher als die Reisen zuvor und so notierte ich an diesem Abend ins Notizheft: „Leckerstes Trekkingessen bisher.“ Ob das auch in drei Wochen noch so stimmen würde, war freilich ungewiss. Die Zubereitung auf dem kleinen Holzkocher gestaltete sich zeitaufwändig, aber nach der Mahlzeit gab es am Abend dann nicht mehr viel zu tun, sodass ich zeitig schlafen ging.

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Der nächste Tag hatte das Erreichen des Stor Svuku zum Ziel – jenen sagenhaft klingenden Berg, den ich schon allein eben wegen des Namens besteigen wollte. Bereits schon gegen Mitternacht erwachte ich und glaubte, es sei früh am Morgen, so hell war die Nacht in diesem Breitengrad. So lag ich eine Weile auf dem Rücken liegend in den warmen Daunen und lauschte dem Regen, der aufs Zeltdach prasselte. Überhaupt wird das Wetter zum fast alles bestimmenden Faktor. So frei man von vielen Dingen der Zivilisation dann auch ist, so abhängig wird man von den Launen des Himmels. Anhaltendes Regenwetter und die damit verbundenen Umstände und Strapazen erodieren jede noch so stabil geglaubte Persönlichkeit. Die Illusion vom Ich; von dem, was man zu sein glaubt, weicht gleichermaßen auf wie der Boden, auf dem man wandelt.

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So weit war es glücklicherweise noch nicht. Auf den nächtlichen Regen folgte ein zwar trüber, aber immerhin halbwegs trockener Vormittag. Kreischende Möwen zogen Kreise über einen großen, grauen See. Mückenschwärme flogen aus dem feuchten Waldboden auf und wurden zur Plage, sobald man stehenblieb. Aus Erfahrung nahm ich dies gelassen und verwendete bei Pausen einfach mein Mückenschutzmittel, um Ruhe zu haben.

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Nussmischung als Zwischenmahlzeit

Diese Insekten haben eigentlich ein eng begrenztes Milieu um Fliegen und Stechen zu können. Windgeschwindigkeit, Temperatur und Luftfeuchte haben einen großen Einfluss auf ihre Aktivität. Gerade in den Wäldern stimmen die Bedingungen aber sehr häufig, sodass man geneigt ist, schnell wieder aufs Fjäll zu flüchten. Dort aber sind die Wetterbedingungen für uns selbst oft problematisch.

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Der Stor Svuku aus der Ferne

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Die Hütten von ‚Svukuriset‘ im norwegischen Femundsmarka Nationalpark waren erreicht. Eine Ansammlung Fahrräder vor einer Scheune ließen vermuten, dass die Gegend für Mountainbiker sehr attraktiv sein muss. Wer nicht zu Fuß von Grövelsjön anreisen möchte, kann den kürzeren Weg von der ca. 8 Kilometer entfernten Hütte Elgå wählen. Nach Elgå gelangt man von Schweden kommend mit dem Auto über die Bundestraße 221 oder aus Norwegen per Boot von Femundsenden oder einem Parkplatz bei Tufsingdalen auf halber Höhe des Femundsees. Als Wanderkarte für das gesamte Gebiet empfiehlt sich die Turkart ‚Femunden‘ vom Norwegischen Touristenverein (DNT), welche in drei Maßstäben erhältlich ist. Aufgrund der ausgeschilderten Wanderwege kam ich mit 1: 10000 gut zurecht und die schwedische Seite war auch noch reichlich abgedeckt.

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Übernachtungshütte Svukuriset im Femundsmarka Nationalpark, Norwegen

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Übernachten im Tipi ist auch möglich

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Svukuriset ist eine bediente Hütte mit kleinem Shop, bietet im Gegensatz zu Elgå oder dem ca. 12 Kilometer weiter nördlich direkt am See liegenden Haugen Gård aber kein Restaurant. Für mich war das unerheblich, hatte ich doch Vorräte für fast zwei Wochen auf dem Rücken. Auch eine Hüttenübernachtung stand nicht auf dem Plan, denn ich hatte vor, direkt am Berg zu zelten. Am nächsten Tag sollte es dann zum Gipfel und weiter in den Nationalpark gehen. Nun setzte aber erstmal wieder der Regen ein und so rastete ich ein Weilchen unter einem Vordach, warf einen Blick auf die Karte und gönnte mir einen Riegel zur Motivation.

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Dass die Informationen der Karte und die tatsächlichen realen Bedingungen manchmal weit auseinander gehen, hatte ich schon oft erfahren. Aber hier am Anstieg des Stor Svuku verblüffte es mich besonders: die dick eingezeichneten zwei Flüsse am Berg waren völlig ausgetrocknet. Einzig ihre tief eingeschnittenen Kiesbetten waren deutlich zu erkennen. Obwohl es die Nacht zuvor regnete und die Bäche etwas weiter unten im Wald lebendig sprudelten, gab es hier oben kein Wasser. Meine zwei Flaschen hatte ich absichtlich leer hochgetragen, aber nun war ein campieren hier oben nicht möglich. Ohne Wasser konnte ich nicht bleiben. Zudem zog eine bedrohliche Wolkenwand von Norden kommend über den Berg und brachte erneuten Regen und starken Wind. Die interessanten Wetterspiele aus Sonnenstrahlen und Nebelwolken über dem Femundsee trösteten ein wenig über die widrigen Umstände hinweg. Meine rechtzeitig angezogenen Regensachen verhinderten ein komplettes Durchnässen; die Kamera und das Objektiv hatten jedoch ein gründliches Trocknen nötig, um Schäden zu vermeiden.

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ausgetrocknetes Flussbett am Stor Svuku

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Blick auf den Litl-svuku

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Wieder unten angekommen, kam mir ein junger Mann entgegen. Er sprach gutes Englisch mit britischem Akzent. Hochmotiviert und gut ausgerüstet wie er war, schien ihm das Wetter zur Zeit nicht so viel auszumachen. Auch er rechnete mit den beiden Flüssen oben am Berg und war froh über meine Information. Wir sprachen über Trinkwasser und er erzählte mir vom sogenannten ‚Jahr des Lemmings‘. Alle zwei Jahre steigt die Population der Lemminge stark an und es besteht die Gefahr, dass einige Tiere in Bächen und Flüssen verenden und das Wasser verunreinigen. Die norwegische Regierung empfiehlt daher, in diesen besagten Jahren kein ungefiltertes Wasser aus der Natur zu trinken. Im darauffolgenden Jahr ist wiederum die Anzahl der jagenden Tiere höher, weil das gute Nahrungsangebot aufgrund der zahlreichen Lemminge für eine hohe Geburtenrate gesorgt hat.
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Zum Glück war 2016 kein Lemmingjahr und ich musste mir keine großen Sorgen um das Trinkwasser machen. Vielleicht aber hatte ich mir damals 2013 – einem Lemmingsjahr nämlich – deswegen auf dem Kungsleden am Ende so sehr den Magen verdorben.

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Die düsteren Wolken verzogen sich und gaben die Sicht auf den Gipfel frei. Der Regen ließ nach; seine Majestät der Berg lud wieder zum Besuch. Für heute aber war es zu spät und die Ausrüstung nass. So lagerte ich am Bach in einem kleinen Birkenwäldchen unterhalb des Berges. Am Abend noch ein Blick hinauf: „Morgen stehe ich dort oben.“

Dann kroch ich ins Trockene; und aß und schlief.

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Spannende Begegnungen im Fjell und urige Hütten mit mysteriöser Vergangenheit: hier gehts weiter zu Teil 2.


Liste der verwendeten AusrüstungTestbericht zu meinem Daunenschlafsack

2 Kommentare

  1. Dein Artikel ist verdammt gut geschrieben! Mir gefällt es sehr gut wie du über das Hinausziehen schreibst und diese Erfahrung, wenn man gar nicht so genau weiß wo man eigentlich hingeht bzw. was der Tag noch bringen wird. Ich finde das sehr authentisch und dein Schreibstil ist wirklich ganz besonders. Ich freue mich schon mehr von dir zu lesen 🙂

    • Vielen lieben Dank. Habe vorhin auf deiner Seite vorbeigeschaut und sie mir gleich mal als Abendlektüre vorgenommen. Du schreibst auch so schön bildhaft und tiefgründig 🙂

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