Trekking, Trekkingwissen
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Der Holzvergaser – Kocher

Unabhängig und leicht unterwegs

Warum ein weiterer Kocher?

Ob nun Gas-, Spiritus-, Benzin-, Trockenbrennstoff oder Holzkocher (Hobo) – jedes Prinzip hat seine spezifischen Vor- und Nachteile, bezogen auf das jeweilige Vorhaben. So ist ein Gaskocher mit Abstand der schnellste und komfortabelste Erhitzer und daher für viele Camping- und Reisevorhaben die erste Wahl. Sein Verbrauch lässt sich gut einschätzen und regulieren, die Handhabung ist unkompliziert und relativ sicher. Auf längeren Rucksacktouren in abgelegenen Gebieten werden leere Gaskartuschen jedoch zum Problem, wenn für Nachschub und Entsorgung die nötige Infrastruktur fehlt. In diesem Punkt bieten Spiritus und Benzin als Brennstoffe einen Vorteil, da sie leichter zu beschaffen (Tankstelle) und einfacher zu transportieren sind (bsp. Spiritus in leere Getränkeflasche umfüllen). Trockenbrennstoffkocher (bsp. Esbit) bieten Gewichtsvorteile und ein geringes Packmaß, sind aber weniger effizient und die Brennstoffe nur in speziellen Outdoor-Geschäften erhältlich.

Unabhängig vom Nachkauf des Brennstoffes ist man nur mit einem Holzkocher, sogenannten Hobos, die sich mit allerlei brennbarem Material aus der Natur betreiben lassen. Dazu gehören neben Ästen und Zweigen auch Zapfen, Laub oder gar Dung von manchen Wildtieren, wie Ren und Elch in Skandinavien. Einen solchen Hobo-Kocher besitze ich bereits und er hat auf dem Südlichen Kungsleden in Schweden gute Dienste geleistet. Mit der zusätzlichen Möglichkeit einen Spirituskocher aufzunehmen, ist der „Künzi Kocher – made in Switzerland“ (Magic Flame NG) meine optimale Wahl für diese mehrwöchige Tour mit ihren ständig wechselnden Wetter- und Vegetationsverhältnissen gewesen. Flach zusammenfaltbar fand er im Dokumentenfach meines Rucksackes Platz und ist trotz der Scharniere extrem robust (lebenslange Garantie!) und sehr einfach und schnell aufgebaut.

Mein bisheriges Set: Der „Künzi Kocher“ Magic Flame NG und ein 1,4l Edelstahltopf mit selbstgebasteltem Aludeckel.

Im Holzbetrieb brennt in diesem Kocher selbstverständlich ein offenes Feuer mit der damit verbundenen Rauchentwicklung und den zu wahrenden Vorsichtsmaßnahmen zur Brandverhütung (Funkenflug, Bodenunterlage). Je nach Trockenheit des Brenngutes lassen sich sehr hohe Temperaturen und damit kurze Kochzeiten erreichen. Durch den Kamineffekt im Innern verbrennt aber auch feuchtes Material wesentlich effektiver als in einem offenen Lagerfeuer. Schon dünne Zweige reichen aus um eine Mahlzeit zuzubereiten und nach dem Kochen kühlt der Hobo rasch wieder ab und kann eingepackt werden.

Aber ich hätte mir keinen neuen Kocher angeschafft, wenn der gute Falthobo nicht auch entscheidende Nachteile hätte, die sich – selbstverständlich unter Inkaufnahme anderweitiger Kompromisse – umgehen lassen:

Dies wäre zum einen die bereits erwähnte Rauchentwicklung. Was einem unterwegs, allein – oder nur zu zweit – in der Einsamkeit und Wildnis kaum störend auffällt, kann beim nächsten Zwischenstop in einem Supermarkt oder einem Cafe‘ in der Zivilisation schnell unangenehm werden: Alles – Kleidung, Haare, Ausrüstung – riecht stark nach Holzfeuer und verliert in der Stadt rasch an Romantik. Die Rauchentwicklung eines Hobos lässt sich konstruktiv verringern, dazu später mehr.

Das Material Titan

Der andere nachteilige Punkt meines bisherigen Hobos ist das Gewicht: ein halbes Kilo bringt er dank seiner relativ dickwandigen Stahlbauweise auf die Waage. Er ist nahezu unzerstörbar – ein klares Plus; langlebige Produkte sind Etwas, was ich sehr schätze und dieser Kocher ist definitiv mal als Grabbeigabe oder Erbstück geeignet. 😉 Für nur einige Wochen Trekking im Jahr, für eine besondere Tour bei der es auf jedes Gramm Gewicht ankommt, ist Stahl trotz seiner vielen positiven Eigenschaften jedoch ein unverhältnismäßig schweres Metall. Aluminium kommt für einen Holzkocher aufgrund seines niedrigen Schmelzpunktes von 660°C aber nicht in Frage, da die Temperaturen bei gutem Kamineffekt um die 800°C betragen können. Der Schmelzpunkt von Titan hingegen liegt mit 1668°C sogar über dem von einfachem Stahl (1460°C) und das Gewicht beträgt in etwa die Hälfte.

Aufgrund seines molekularen Aufbaus können Produkte aus Titan bei gleicher Stabilität dünnwandiger gefertigt werden, als solche aus Aluminium; was dazu führte, dass Titan als das Material für Ultraleichtausrüstung bekannt wurde, obwohl Aluminium eigentlich eine geringere Dichte aufweist. Weitere positive Aspekte von Titan sind seine außerordentlich hohe Korrosionsbeständigkeit und die antimagnetische Eigenschaft. Allerdings sind Titanprodukte wie Töpfe, Tassen oder Besteck für den „Outdoor-Sport“ – Bereich verhältnismäßig teuer und eine Anschaffung lohnt sich eigentlich auch nur bei gewissermaßen konsequenter Ausstattung mit (Ultra)-Leichtausrüstung. Da überraschte mich aber der Preis des Hobo-Kochers aus Titan, den ich hier folgend vorstellen möchte.

Wirkprinzip eines Holzvergaser-Hobos

Zuächst aber noch einige Worte zum Unterschied zwischen faltbaren Holzkochern und ihren runden, dosenartigen Kollegen, die nach dem Prinzip der Holzvergasung funktionieren:

Der Kamineffekt eines herkömmlichen Hobo-Kochers kommt zustande, da dem Feuer in der ringsum weitestgehend abgeschlossenen Brennkammer von unten her durch ein Rost Luft zugeführt wird. Diese steigt nach oben und nährt das Feuer im steten Zustrom mit Sauerstoff wodurch eine sehr effektive (rückstandsarme) Verbrennung stattfindet. Dieses simple Prinzip wurde bei den Holzvergaser-Kochern noch verbessert: Die Luft steigt nicht nur direkt in den Brennraum auf, sondern auch durch die Doppelwand dieser runden Konstruktionen. Dabei erwärmt sie sich und tritt oben aus ringsum angelegten Löchern über dem Feuer wieder aus, wo es aufgrund der Hitze zu einer Zweitverbrennung der Gase kommt. Dieses Wirkprinzip der Konvektion in einer hohlen Außenhülle findet sich übrigens auch in den kleinen Spirituskochern (Trangia). Durch die sekundäre Verbrennung, die sich schön an den vielen, kleinen ausströmenden Flämmchen erkennen lässt, wird die Rauchentwicklung eines Holzkochers vermindert und seine Effizienz gesteigert.

Die Dosenform – ein Nachteil?

Bedingt durch das Wirkprinzip, sind Holzvergaser-Kocher grundsätzlich rund aufgebaut, was zunächst im Vergleich mit den flach zusammenfaltbaren herkömmlichen Hobos nachteilig erscheint, da mehr Platz im Rucksack benötigt wird. Nun nützt ein Kocher aber nichts ohne Topf – und dieser ist erfreulicherweise ebenfalls rund, sodass sich in einem gut abgestimmten Set der Kocher direkt im Topf unterbringen lässt. Somit relativiert sich der Platzbedarf des runden Kochers wieder; außerdem ist er durch den Topf vor Stößen (Dellen) geschützt.

Der Toaks Trekking Holzvergaser-Kocher im passenden  700ml Topf.

Ein solches Set, komplett aus leichtem Titan gefertigt, bietet u.a. die Firma „Toaks“. Ich habe mich für die kleine Version des Trekkingkochers samt passenden 700ml Topf entschieden. Mit einem Gesamtgewicht von nur 245g (Kocher + Topf mit Deckel) ist dieses Kochset mit Holzvergaserprinzip nach meiner Recherche derzeit das leichteste auf dem Markt. Im Vergleich dazu wiegt mein Falthobo und der Edelstahltopf zusammen ganze 710g – plus Aludeckel (nicht gewogen). Eine deutliche Gewichtsreduktion also.

Der Praxistest

UPDATE zur Verwendung mit Trangia!

Fazit

Den Toaks Titan Kocher habe ich zusammen mit dem 700ml Topf für insgesamt knapp 80€ erworben, wobei der Kocher allein 45€ und der Topf 35€ kostete, was für Produkte aus Titan ein sehr günstiger Preis ist. Wahrscheinlich deshalb, weil das Set in China gefertigt ist, wobei Toaks selbst in der Nähe von Los Angeles ansässig ist. Im ersten Test konnte ich keine Mängel oder unsaubere Verarbeitung feststellen; der Kocher funktionierte genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte und wird mit Sicherheit bei der nächsten längeren Trekkingtour den schweren Falthobo ersetzen.

Allgemeines Pro & Contra

 

+ extrem leichtgewichtig und kompakt

+ günstiger Preis (für ein Titan-Produkt)

+ einfacher Aufbau

+ mit Trangia Spiritusbrenner
verwendbar

+ gute Kochleistung für diese Größe

+ Zweige etc. lassen sich bei aufgesetztem Topf nachlegen

 

– aufgrund des kleinen Durchmesser nicht so standsicher

– verlangt ständiges Nachlegen von Brennmaterial

– nicht so robust wie ein (Rund-) Hobo aus Stahl

– kein Aschefang (bei brandgefährdetem Boden muss eine feuerfeste Unterlage verwendet werden)

 

Ich hoffe, dieser Artikel konnte für den ein oder anderen Trekkingbegeisterten als Entscheidungshilfe und Informationsquelle dienen, da der Markt an „Outdoor“-Produkten doch sehr unüberschaubar ist.

Glück auf Euren Wegen,
Markus

 

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